Torn - A Shock Youmentary



  • Nachdem Oliver Isaacs‘ Verlobte brutal ermordet wurde, müssen er und sein Freund James Dean-Hughes ihre Unschuld beweisen, indem sie sich gemeinsam mit einer Filmcrew auf die Jagd nach dem echten Mörder begeben: den „Devonshire Devil“.

    Carters Spielfilmdebüt, mit einem wunderbar zweideutigen Titel, zeigt mal wieder, dass es keines großen Budgets nötig ist, um einen guten (Horror)Film zu produzieren.
    Oftmals reicht ein erfinderisches Drehbuch und ein Gefühl für Handlung und Charaktere, das Herzstück eines jeden Filmes.
    Die Protagonisten, bestehend aus Oliver, seinen Freunden und der Filmcrew, wirken sympathisch und haben jeweils einen individuellen Charakter, ohne in eine Klischee-Falle zu tappen, was eine freudige Abwechslung zu ähnlichen Produktionen darstellt.
    Trotzdem kommen bedauerlicherweise diverse zentrale Figuren zu kurz bei der Charakterentwicklung, ein bis zwei geraten gänzlich in Vergessenheit, was besonders am Ende des Filmes negativ heraussticht.

    Der Cast, wenngleich dieser überwiegend aus Amateuren besteht, porträtieren ihre Figuren gekonnt. Vor allem Danny D’Anzieri spielt seine Rolle als vom Dorf verhassten sehr emotional und hingebungsvoll, ohne an overacting zu erkranken.


    Die Handlung beginnt zunächst mehr als Drama, denn Horror. Dem Zuschauer wird die Lage des Protagonisten, welche Dank Interviews verschiedener Dorfbewohner greifbarer wird, und seine Gefühlswelt angesichts seines Verlustes nahegebracht.
    Es wird gezeigt, inwiefern das Geschehene seinen Alltag beeinflusst, wodurch schließlich die Entscheidung der Hauptfigur, sich auf die gefahrvolle Suche nach dem wahren und äußerst monströsen Mörder zu begeben, verständlich wird.
    Von diesem Punkt an macht der Film urplötzlich eine 180 Grad-Wendung und wird vom ruhigen Schicksalsdrama zu einem temporeichen Horrorthriller. Diese abrupte Wendung, an der die meisten Filme scheitern, wird jedoch fachmännisch umgesetzt,
    indem Carter darauf verzichtet, gänzlich von den Wurzeln des Filmes abzuweichen und die Handlung um Olivers soziale Krisensituation weiterhin bis zum Ende fortführt.


    Die ländlichen Gebiete Devons dienen als perfekte Kulisse für den Film. Wenn dicke Nebelschwaden über die tristen, weiten Felder hängen, wird eine wohlig schauerliche und vor allem düstere Atmosphäre aufgebaut, was durch den Mangel an Musik unterstrichen wird.
    In diesem Aspekt fühle ich mich besonders an den ebenfalls britischen Found Footage-Streifen „The Borderlands“ erinnert.

    Trotz dessen bleibt überraschenderweise auch der Humor nicht außen vor. Einige humorvolle Einwürfe in Form von überspitzter Situationskomik oder die vierte Wand brechenden Dialogen, welche die sonst sehr bedrückende Stimmung komprimieren.


    Schlussendlich lässt sich sagen, dass Carter das allgemein verstaubte Thema anachronistischer Legenden als Dreh- und Angelpunkt auf überraschende Weise als Low Budget-Film wieder aufleben lässt.
    Ein Film, der sich sehr wohl als Vorbild für Amateurproduktionen sowohl im Bereich des Horrorfilms, als auch des Dramas bezeichnen kann.
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    "Wer das Negative regelmäßig ausblendet, wird positiv krank." - Paul Mommertz

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