Geh und sieh!




    • Alternativer Titel: Geh und sieh, Idi i smotri
      Regisseur: Elem Klimow
      Drehbuch: Ales Adamovich, Elem Klimov
      Produktionsland: Sowjetunion
      Erscheinungsjahr: 1985
      Musik: Oleg Yanchenko
      Kamera: Aleksei Rodionov
      Schnitt: Valeriya Belova
      Budget: -
      Spezialeffekte: -
      Länge: ca. 150 Minuten
      Freigabe: FSK 16


      Inhalt:

      Die Handlung spielt in der Weißrussischen Sowjetrepublik im Jahre 1943. Die Hauptfigur des Films, der Jugendliche Florian, genannt Fljora, geht gegen den Willen seiner Mutter zu den Partisanen. Als er sich ihnen anschließt, sind das Leben im Wald und der Kampf gegen die Besatzer für Fljora noch ein großes Abenteuer. Doch im Laufe des Films erlebt der Junge ein Martyrium. Zwischenzeitlich kehrt Fljora in sein Dorf zurück, das verlassen scheint. Einige Dorfbewohner wurden bei einer Vergeltungsaktion der SS, SD und Polizei erschossen. Auch Fljoras Mutter und seine Schwestern wurden ermordet. Nach einem missglückten Versuch, für die Überlebenden etwas zu essen zu organisieren, gerät Fljora in ein weiteres Dorf, das zum Ziel einer Vergeltungsaktion für Partisanenübergriffe wird. Er erlebt mit, wie die Bewohner dieses Dorfes in eine Scheune gesperrt und bei lebendigem Leibe verbrannt werden (am Ende des Filmes wird darauf hingewiesen, dass mit 628 Dörfern in Weißrussland während der gesamten Zeit der deutschen Besatzung auf ähnliche Weise verfahren wurde). Das Schicksal wendet sich und die Partisanen und Fljora bekommen die Täter in die Hände. Anschließend üben sie Vergeltung für das begangene Massaker. Am Ende des Films ist Fljora ein anderer Mensch, sein Gesicht um Jahre gealtert.


      Trailer:



      Kritik:

      So, da ich morgen bzw. heute frei habe, mal ein nächtliches Review zu einem Film, der auch wenn er ein Kriegsfilm ist, am besten in diesen Bereich passt, denn es gibt keinen Kriegsfilm, der sich mit "Komm und sieh" vergleichen lässt, was Ausdruckskraft, Bildsprache und Härte angeht.

      Nun ja, ich habe von diesem Film von einem Freund, der aus Russland stammt erfahren, da der hierzulande noch immer gänzlich unbekannt ist. Muss so zwei, drei Jahre her sein.... Er sagte, dass ich alle Kriegsfilme vergessen kann, wenn ich mal "Komm und sieh" gesehen hätte. Das hat mich natürlich neugierig gemacht, und so habe ich mir die deutsche DVD von Icestorm zugelegt, welche nicht zu empfehlen ist, aber dazu weiter unten mehr...

      Nun gut, ein paar Tage später hatte ich diesen Film dann und dachte, den kännte ich mir mal so locker reinziehen, da ich mich ja auch oft im Horrorgenre rumtreibe, und daher dachte, dass mein Kumpel hier übertreibt: Denkste!
      Wenn in "Apocalypse Now" (auch ein toller Film zum Thema Krieg) vom "Grauen" die Rede ist, dann wird nur darüber geredet, während "Komm und sieh" das Grauen zeigt. In all seiner Hässlichkeit und all seiner Härte. Diese Film ist eigentlich nicht in Worte zu fassen, also entschuldigt bitte, wenn ihr aus diesem Review nicht sehr schlau werdet.

      Dieser Film ist ein furchtbarer Trip in die Hölle. Hier wird gezeigt, was für Monster doch in Menschen stecken und wie ein kleiner, unschuldiger Junge die Hölle sieht und selbst ein Teil von ihr wird. Ich hatte mir den Film lustig wie ich bin mit ner Tüte Chips und ein paar Bier nachts um 2 Uhr reingezogen. Und ich muss sagen, mir wären Chips und Bier vor Schock schier im Hals stecken geblieben... Was hier gezeigt wird, fühlt sich, obwohl es nur Bilder sind, für den Zuschauer an, als würde ihm permanent in die Fresse, die Eier und den Bauch getreten, geprügelt, geboxt, usw... Als der Film vorbei war, war es schon wieder früh am Morgen, doch pennen konnte ich auf keinen Fall nach diesem Film. Oder besser gesagt, diesem Erlebnis, dieser Wucht, diesem - und diesmal stimmt es wirklich - Grauen. Noch nie wurde mir so drastisch der Schrecken des Kriegs vor Augen geführt!

      Für mich unangefochten der beste Antikriegsfilm aller Zeiten. Vergesst "Apocalypse Now", "Full Metal Jacket", "Platoon", usw... die sind "Feel Good Movies" im Vergleich zu diesem Wahnsinnsfilm "Komm und sieh". Dieser Film sollte meiner Meinung nach an Schulen gezeigt werden, dann wird es in ein paar Jahren wohl auch keine Kriege mehr geben. Denn wer nach diesem Film Krieg auch nur noch in irgendeiner Form für legitim hält, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen....

      Jetzt aber noch ein paar technische Details: Der Film ist ein russischer Film und wurde nie synchronisiert, daher gibt's ihn nur im O-Ton und Untertiteln. Finde ich persönlich sowieso besser, da ich Filme hauptsächlich im O-Ton schaue... Jedoch hat die deutsche DVD von Icestorm eine lausige und furchtbare Bild und Tonqualität, das war auch das Einzige, was mich bei meinem ersten Mal "Komm und sieh" gestört hat. Mein Kumpel hat mir danach auch die englische DVD von Artfical Eye empfohlen, welche sehr gut und zu empfehlen ist und mit einer hervorragenden Bild und Tonqualität daherkommt und den Ausflug in die Hölle noch grauenhafter und intensiver macht. (Die Untertitel sind hier natürlich auf Englisch, sollte ja kein Problem sein... Und wenn doch: egal, der Film lebt von seinen Bildern, nicht von seinen Dialogen.)

      Abschließend will ich noch sagen, dass dieser Film für mich zu den Filmen gehöt, die man einfach kennen muss, und dass er schlichtweg der beste Antikriegsfilm aller Zeiten ist. Oder um es so, wie es auf der Artifical Eye DVD steht, zu sagen:

      "This is war as Hollywood could never portray it!"

      Wahre Worte, die für mich einmal mehr klar machen, dass man hier nur zehn Punkte vergeben kann. Und das tue ich auch: Volle Punktzahl für den besten Antikriegsfilm, den die Welt je gesehen hat!

      [film]10[/film]
      Achtung! Kleiner Hinweis: Wenn es um Ridley Scotts Alien geht können Sie mit diesem User nicht mehr vernünftig diskutieren, da alle Meinungen, die Alien nicht als absolutes Meisterwerk lobpreisen, von ihm als Quatsch angesehen werden.
    • Den Film habe ich als recht verstörend im Gedächtnis. Er ist auf jeden Fall mehr als sehenswert. Viele surreale Sequenzen - vor allem an die Endszene kann ich mich noch gut erinnern. Mittendrin schockt der Film mit einigen harten Szenen. Die Auffassung, dass "Geh und sieh!" besser als "Apocalypse Now" oder sogar der beste Anti-Kriegsfilm sei, kann ich zwar nicht teilen - zu den besseren Genrevertretern würde ich ihn aber auf jeden Fall zählen.
    • Ich habe den Film ebenfalls gesehen und ich musste echt schlucken, einen Film der vergleichbar so dramatisch ist habe ich wohl nie gesehen außer Der Pianist, aber dieser Film zeigt echt die ganze Härte des Feldzuges gegen die Sowjetunion und dieser Feldzug ist einer der schlimmsten und brutalsten in der Menschheitsgeschichte, der wahre Horror des Films ist das das alles wirklich passiert ist und der Film nur einen kleinen Ausschnitt des Kriegsgrauens zeigt.
    • So nun auch gesichtet. Meine Güte... was für ein Film!! Noch immer habe ich Gänsehaut wenn ich jetzt darüber schreibe.
      Da muss ich meine Vorgänger nur zustimmen, dass der Film einfach so richtig an die Nieren geht.
      Schon der Beginn kommt echt bedrückend daher. Als ich die Szene mit den beiden im Morast sah, erinnert mich an einer wahren Begebenheit, die ich mal, als ich im Ausland tätig war,erlebt habe...
      Die Szene mit der Kuh ist auch echt fürchterlich anzusehen, doch der Schluss setzt allen die Krone auf mit der Scheune und das erschreckende Altern des Jungen, unglaublich... Da musste ich schon ganz schön schlucken!
      Ein verstörender Film, der mich bestimmt noch ne Weile nachlaufen wird!!

      [film]10[/film]