Ein Kind zu töten

    • Ein Kind zu töten





      Ein Kind zu töten
      (Quien puede matar a un nino?)
      mit Lewis Fiander, Prunella Ransone, Maria Luisa Arias, Miguel Narros, Marisa Porcel, Antonio Ranzo, Marian Salgado, Cristina Torres
      Regie: Narciso Ibanez Serrador
      Drehbuch: Juan Jose Plans / Narciso Ibanez Serrador
      Kamera: Jose Luis Alcaine
      Musik: Waldo de los Rios
      Freigabe: FSK Keine Jugendfreigabe
      Land / Jahr: Spanien / 1976
      Produktion: Manuel Salvador
      Schnitt: Antonio Ramírez de Loaysa, Juan Serra
      Budget: -
      Spezialeffekte: Juan Antonio Balandín


      Trailer:




      Deutsche DVD Fassung: 13.02.2009



      Ein kleines spanisches Küstenstädtchen im Sommer: Aus dem Reisebus steigen Tom und seine hochschwangere Frau Evelyn, die vor der Geburt ihres Kindes noch ein paar ruhige Tage am Meer verbringen wollen. Ziel ihrer Reise ist ein kleines Fischerdorf auf der abgelegenen Insel Almanzora - vier Stunden entfernt vom geschäftigen Trubel des Festlands. Als beide im kleinen Hafen anlegen, werden sie von einer Gruppe spielender Kinder empfangen. Alles scheint friedlich. Doch als sie durch die Gassen des kleinen Dörfchens schlendern, kommt es ihnen seltsam ruhig und verlassen vor. Kein Erwachsener ist zu sehen. Offenbar sind alle auf einem Fest am anderen Ende der Insel. Dann wird Tom Zeuge eines unfassbaren Vorfalls. Irgendetwas stimmt nicht mit den Kindern.


      "Ein Kind zu töten"


      Allein dieser Titel des Films löst in jedem normalen Erwachsenen eine wohl nicht zu überschreitende Hemmschwelle aus, denn zu abwegig wirkt doch die Vorstellung, diesen Satz auch in die Tat umzusetzen. Und genau mit der gegensätzlichen Seite beginnt dieser Film, denn in den ersten Minuten wird der Zuschauer mit Filmmaterial aus diversen Kriegen überhäuft, in dem hauptsächlich tote oder schwer entstellte Kinder zu sehen sind, die vollkommen unschuldig zu Opfern der Erwachsenen wurden, die diese Kriege geführt haben. Manch einem mögen diese ersten Minuten zunächst etwas befremdlich vorkommen, doch ergeben sie im Laufe des Films einen immer tieferen Sinn, der sich einem vielleicht nicht auf den ersten Blick erschließt.

      "Ein Kind zu töten" ist kein Film, der reisserische SFX oder übergroße ins Bild gesetzte Härte und Brutalität zeigt, obwohl es auch einige härtere Szenen gibt. Die Härte geht hier von der Thematik des Films und ihrer nahezu brillanten Umsetzung aus. Schon während man den Film sieht, entwickelt sich eine kaum für möglich gehaltene Brutalität im Kopf des Betrachters, das Gesehene ist wie ein Keulenschlag in die Eingeweide. Fassungslos und verstört verfolgt man das Geschehen auf dem Bildschirm, das einem kaum Zeit lässt, um es erst einmal sacken zu lassen. das, was einem hier präsentiert wird, ist so harter Tobak, das man erst nach Filmende die Zeit findet, das Gesehene in Ruhe Revue passieren zu lassen.

      Doch selbst das ist fast unmöglich, da dieses Werk extrem stark nachwirkt, manmerkt erst jetzt richtig, wie schwer es ist, das Gesehene zu verarbeiten, denn es sollte doch immer noch ein tabu-Thema sein, "Ein Kind zu töten". Regisseur Narciso Ibanez Serrador ist es hier meisterhaft gelungen, zwiespältige Gefühle im Zuschauer wachzurufen, in dem er die behandelte thematik sehr gegensätzlich darstellt. Einerseits sieht man die lächelnden Kinder, die so lieb und friedlich wirken, auf der anderen Seite wird man auch mit dem konfrontiert, was sie auf der Insel getan haben. Der Grund für ihre Taten, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte, um keinem die Spannung zu nehmen, bleibt vollkommen im dunkeln und lässt Spielraum für eigene Interpretationen.

      Und genau das macht die ganze Sache noch viel schockierender und den Film umso intensiver, denn das hier Gezeigte geht so dermaßen unter die Haut, das man teilweise nach Luft ringen muss, weil einem der Atem stockt. Die Geschichte, die hier in Szene gesetzt wurde, packt einen so intensiv, das man phasenweise gar nicht das Gefühl hat, einen Film zu sehen, sondern selbst ein Teil der Geschehnisse zu sein, die sich vor den eigenen Augen abspielen. Es ist erschreckend, sich in dieser Vorstellung wiederzufinden, denn man stellt sich fast zwangsläufig die Frage, wie man selbst als Erwachsener handeln würde, wenn man sich in der Situation des jungen Paares befinden würde. Und die Antwort auf diese Frage ist glaube ich gar nicht so leicht zu geben.

      Auch wenn man zu keiner Zeit den Grund für die Taten der Kinder präsentiert bekommt, was ich übrigens perfekt finde, so kann man doch gerade wenn man die ersten Minuten des Films mit heranzieht, doch eine recht simple Interpretation finden, die dann sogar recht logisch und nachvollziehbar erscheint. Doch das soll natürlich jeder für sich selbst interpretieren und wahrscheinlich werden viele zu unterschiedlichen Meinungen kommen.

      Besonders hervorheben möchte ich noch das Ende des Films, das in meinen Augen der absolute Hammer ist. War der ganze Film schon bisher sehr verstörend und hat eine extrem beklemmende Stimmung verbreitet, so hauen die letzten Minuten noch einmal so richtig in die Magengegend und lassen einen richtiggehend erschauern. Das, was man zu sehen bekommt, ist so unfassbar, passt aber perfekt in das brillante Gesamtbild dieses genialen Filmes. "Ein Kind zu töten" schafft es, das man Erwachsene wie auch Kinder mit ganz anderen Augen sieht. Und der Titel des Films ist leider in der heutigen Zeit kein Tabu-Thema mehr, denn gerade wie die letzten Jahre vermehrt gezeigt haben, fällt es manchen Erwachsenen gar nicht mehr so schwer, "Ein Kind zu töten".



      [film]9[/film]
      Big Brother is watching you
    • RE: Ein Kind zu töten

      Es war wohl auch eine "der" DVD Veröffentlichungen des Jahres 2009.
      Endlich einen Ungeschnittene Fassung von Quién puede matar a un niño? auf deutsch (ohne den Unpassenden Videotitel Tödliche Befehle aus dem All )

      Ich denke zum Inhalt brauche ich nichts mehr sagen ...


      Quién puede matar a un niño? ist ein Aussergewöhnlicher Film .
      Das Beginnt bereits mit der 7 Minütigen Einleitung , in der Bilder von hungernden und sterbenden Kinder in den verschieden Kriegen durch die Jahren gezeigt werden - sehr bedrückend !
      Geht weiter mit der Ankunft der leicht Naiven Touristen - Evelyn ist bereits mehrfache Mutter, scheint aber nicht zu registrieren , was in der Welt um sie geschieht und ihr Mann Tom, der immerhin mit einer Hochschwangeren reist hat sich im Vorfeld nichteinemal um so etwas wie Übernachtungsmöglichkeiten gekümmert .....
      Die Handlung spielt fast ausschließlich im Hellen Sonnenlicht , zwischen hellen Gebäuden auf einer scheinbar ganz friedlichen Insel. Der Grund für das plötzliche gewalttätige Verhalten der Kinder wird im Film nicht verraten wodurch der Film noch bedrohlicher wird .
      Die Schauspieler überzeugen alle in ihren Rollen - gerade die Kinder , die von einem Moment zum anderen von lieb auf Monster umschalten können und in größeren Gruppen wirklich bedrohlich wirken.
      Der Film beginnt recht langsam und zieht dann das Tempo kontinuierlich an.
      Die Kammeraarbeit ist beeindruckend - wohl einer gelungensten versuche Horror in der grellen Mittagssonne zu erzeugen.
      Das bedrohliche Kichern der Kinder verstärkt die Beunruhigung beim Zuschauer und das Ende läßt erahnen , was nun passieren wird .....
      Interessant ist die Reaktion auf den Film - während ich die Hemmungen der Erwachsen durchaus verstehen kann , war der mit dem ich den Film gesehen habe,der Meinung "die sind alle doof , die hätten gleich schießen sollen ...." (wobei ich denke das er es auch nicht könnte ....)

      Insgesammt ein sehr guter Horrorfilm zum Nachdenken auf eiener Tollen DVD von Bildstörung
      10 von 10 Punkten
      Don't think twice, it's all right ...

      Sad Pictures by PK
    • Ist es wirklich möglich, das dieser Film hier so unbekannt ist, oder hat den nur noch keiner entdeckt?
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    • Original von Master of Horror
      Ist es wirklich möglich, das dieser Film hier so unbekannt ist, oder hat den nur noch keiner entdeckt?


      In der Tat habe ich von diesem Film noch nichts gehört, aber eure Reviews machen Lust auf sehr viel mehr.
      Wobei mich der Titel "Tödliche Befehle aus dem All" schon wieder abschreckt^^ Ich meine in Österreich mal einen Film mit dem Titel in Händen gehalten zu haben. Mal sehen was das Christkind bringt^^
      Kalt im Nachtwind schwingt er hin und her,
      Sein Genick brach am Glockenseil.
      Regen tropft auf totes Fleisch,
      Rinnt herab am Glockenseil.

      (Eisregen)
    • Ja, das war damals der ziemlich dämliche Titel auf VHS, davon solltest Du Dich aber wirklich nicht irritieren lassen. Der Film ist absolut empfehlenswert.
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    • Am Anfang bekommen wir eine schonungslose Dokumentation über das Leiden und misshandeln von Juden während der 40er Jahre zu Gesicht. Anschließend berichtet man vom Krieg zwischen Pakistan und Indien, wie viele Kinder gelitten haben, gefolgt vom Koreakrieg, Vietnamkrieg und der Biafrakrieg, überall wird auf die vielen toten und hungernden Kindern hingewiesen.
      Nach dieser nachdenklichen, makaberen und knappen Dokumentation, wo stetig ein Kind bei singt, bekommen wir anschließend einen richtigen Film präsentiert. Ein Paar wird bei der Urlaubsreise in Spanien eintreffen. Dort werden wir mit der Kultur vertraut gemacht, anhand eines Festes mit Drachen und wie zum Sylvester mit Knallerei. Die meist sehr weis aussehenden Häuser in Spanien bekommt man hier bestens zu Gesicht, auch das innere der Gebäude mit sehr alter aber schöner Ausstattung bleibt uns nicht verborgen. Die Darsteller spielen erstklassig, allen voran der Mann und die bösartigen Kinder vollbringen hier Glanzleistungen. Die Atmosphäre wird schnell vollends in Erscheinung treten, von den schneeweißen Gebäuden in der tropenartigen Sommerlandschaft her, dessen alte aber ungewöhnlichen Innenausstattungen und auch die Geräuschkulisse mit Grillen oder gar Geiertiere trägt dazu bei, dass man hier schlicht weg geniale und atmosphärische Rahmenbedingungen schafft. Sehr krank ist auch das Kichern und bösartige Lächeln der Kinder.
      Sehr packend ist das letzte Drittel, wo die Kinder richtig hatz auf das Paar machen, wobei man auch einige Kinder eine Charakterisierung verpasst hat, auch wenn sie kaum sprechen, aber die Gesichtmimiken sprechen Bände. Dabei schreckt man auch per Schießeisen nicht vor blutige Gewalt gegen diese Kindern zurück, oder man hält mit dem Auto bei voller Geschwindigkeit drauf. Was mit unserer Schwangeren geschehen könnte, kann man sich fast schon denken, was dann aber auch sehr packend in Erscheinung tritt. Die pfeifende und liebliche Sounduntermalung wird man auch nicht so schnell vergessen, ein echter Ohrwurm.
      Die Gewaltszenen mit den Kindern im Finale sind sehr explizit und nichts für den Mainstream, sonst fällt der nächste Urlaub in Spanien definitiv flach.
      Das sarkastisch böse Ende setzt dem ganzen noch die Krone auf.
      Der Bezug zu den dokumentarischen Anfangsbildern über die Kriege werden mit Spaniens Instabilität der 70er Jahre gut in Verbindung gebracht.

      Danke dem Anbieter "Bildstörung" für diese Veröffentlichung.

      [film]9[/film]

      Filmbewertung: 1-3 Schrott 4-5 belanglos 6-7 schauen möglich 8-10 sehenswert
      Meine aktuelle Dark-Playliste auf Youtube Music: Klick
    • Original von Dr.Doom

      Der Bezug zu den dokumentarischen Anfangsbildern über die Kriege werden mit Spaniens Instabilität der 70er Jahre gut in Verbindung gebracht.



      [film]9[/film]



      Ich glaube weniger, das die dokumentarischen Bilder auf die Instabilität Spaniens zu dieser Zeit hinweisen, sondern dem Ganzen einen ganz anderen Hintergrund geben, aber das liegt wohl im Auge des Betrachters.
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    • Im letzten You Tube Beitag ist Jello Biafra zu hören? oder täusche ich
      mich da. Wäre nett wenn Jemand sagen kann wie der Song heißt und
      mit welcher Band Jello den Film aufgenommen hat.

      Zum Film: Ich weiß das es einen DVD Release gab, habe den Film aber nicht
      beachtet. Was ich hier lese, sagt mir das es ein Fehler war.

      Ich werde mir die DVD zulegen.
    • Original von sid.vicious

      Ich werde mir die DVD zulegen.



      Damit machst Du ganz sicher nichts verkehrt, bin mir ziemlich sicher, das der Film Dir zusagen wird.
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