Vielleicht lieber morgen

    • Vielleicht lieber morgen




      Originaltitel: The Perks of Being a Wallflower
      Produktionsland: USA
      Produktion: Lianne Halfon, John Malkovich, Jim Powers, Russell Smith
      Erscheinungsjahr: 2012
      Regie: Stephen Chbosky
      Drehbuch: Stephen Chbosky
      Kamera: Andrew Dunn
      Schnitt: Mary Jo Markey
      Spezialeffekte: Look Effects
      Budget: ca. 13.000.000$
      Musik: Michael Brook
      Länge: ca. 102 Minuten
      Freigabe: FSK 12
      Darsteller: Emma Watson, Logan Lerman, Nina Dobrev, Paul Rudd, Mae Whitman, Ezra Miller, Melanie Lynskey, Kate Walsh, Dylan McDermott, Johnny Simmons, Nicholas Braun, Zane Holtz


      Inhalt:

      Charlie ist gerade auf die High School gekommen und schlägt sich mit alterstypischen Problemen herum. Als er die lebenslustigen Geschwister Sam und Patrick kennenlernt und bisher unbekannte Gefühle für Sam entwickelt, ist die Verwirrung komplett. Aber selbst die erste große Liebe, wilde Partys, Drogen und Stress innerhalb der Familie trüben seinen Blick auf die Welt nicht - er beobachtet sein Umfeld genau, macht sich Gedanken über seine Mitmenschen und versucht, seine eigene Rolle zu finden ... in dem, was wir Leben nennen.


      Trailer:



      Kritik:

      Was ist dass denn für ein poetisches Teendrama-Tränendrüsenfilmchen!

      „Ich habs so satt ihre Brüste anzufassen“ Logan Lerman ist für einen Außenseiter mir etwas zu gestylt sowie Model haft hübsch und ich nicht wirklich kapiere, warum er von seine Klassenkameraden gehänselt wird, doch nicht weil er im Unterricht ein bisschen mehr weis, was er ja selbst nicht groß nach außen hin trägt. In Grunde ist er der perfekte Frauenversteher und Mädchenschwarm, wobei das Anfang der 90er, wo sich die Spielzeit befindet vielleicht eher nachvollziehbar ist wie Heut zu Tage, wo solch seichte Typen doch oft genug gefeiert werden. Lerman selbst ist bereits 20 schaut aber noch aus wie 15. Mal von seiner kleinen Butterfly Effect Rolle abgesehen, habe ich ihn in zahlreichen Teen-Blockbusterfilmen der letzten Zeit zu Recht reichlich runter gemacht, wie auch bei dem aktuell besseren Herz aus Stahl wieder zu sehen. In Vielleicht lieber morgen spielt er eine Rolle die gut zu ihm passt, der abtrünnige Mädchenversteher, mit etwas Overacting versehen geht’s in Ordnung. Der Rest vom Cast ist gut bis sehr gut besetzt. Überraschend das Emma Watson mir sympathisch rüber kommt, die beste Leistung zeigt für mich aber Ezra Miller (We Need to Talk About Kevin), der auch nicht wie 20 sondern wie 15 ausschaut, der ebenfalls bis dato in noch keinem halbwegs gescheiten Film mitgewirkt hat, feiert hier aber ab wie Schmitts Katze. Man sollte sich von dem Cast nicht abschrecken lassen, es funktioniert tatsächlich ohne lächerlich oder kitschig zu wirken.

      Es gibt einige pubertäre Teenwitze und natürlich agierende Schauspielleistungen. Inhaltlich geht es in erster Linie um eine Liebesbeziehung die viele Steine in den Weg gelegt werden, allein das wäre allerdings zu schmalzig, so gesellen sich noch das Thema Jugendhomosexualität und schwieriges Elternhaus sowie sexueller Missbrauch im Elternhaus und ein dadurch entstehender psychischer Schaden bei Lerman hinzu. Der Film besticht vor allem durch seine intensive und somit starke Drehbuchvorlage. Dazu gibt es jede Menge 80er und früh 90er Jugendsongs, die gut zur Handlung passen. Ein wenig unübersichtlich empfand ich noch die Falshbacks von Lerman gegen Ende, wo ich mir nicht mal sicher bin, ob er sich nicht vieles als Tagträumer nur eingebildet hat oder ob der Schluss wirklich so von statten gegangen ist.

      "Vielleicht lieber morgen" ist ein früh 90er Teendrama, das aber modern genug ist um auch auf die heutige Zeit bestens zu wirken und sogar den mit besten Teenfilm des Jahrzehnts zu präsentieren, solche generationsübergreifenden Filme werden in diesem Genre wahrlich selten erreicht. Denn dieses vermittelte "man lebt nur einmal Gefühl" trifft ja auf beide Generationen zu.

      "Ich weiß nicht, ob ich die Zeit haben werde, weiterhin Briefe zu schreiben, weil ich vielleicht zu beschäftigt damit bin, mich zu beteiligen. Wenn das hier also der letzte Brief sein sollte, dann will ich, dass du weißt, dass es mir vor der Highschool sehr schlecht ging, und du mir geholfen hast. Selbst wenn du nicht wusstest, worum es geht, oder niemanden kanntest, der so etwas durchgemacht hat. Du hast mir das Gefühl gegeben, nicht allein zu sein. Ich weiß, manche Leute sagen, dass es so etwas gar nicht gibt. Und es gibt Leute, die vergessen, wie es ist, sechzehn zu sein, sobald sie siebzehn werden. Ich weiß, irgendwann sind es nur noch Geschichten. Und unsere Bilder sind dann alte Fotos. Und wir werden alle die Mom oder der Dad von jemandem sein. Aber jetzt gerade sind diese Momente keine Geschichten. Das hier passiert gerade. Ich bin hier, und ich sehe sie an. Und sie ist so wunderschön. Ich kann es jetzt sehen. In diesem einen Moment, wenn du erkennst, dass du keine traurige Geschichte bist. Da lebst du. Und du stehst auf und siehst die Lichter der Hochhäuser und alles, was dich staunen lässt. Und du hörst diesen Song, bist unterwegs mit den Menschen, die du mehr liebst als alles auf der Welt. Und in diesem Augenblick, ich schwöre es, sind wir UNENDLICH."

      [film]7[/film]

      Filmsound:
      :6: