Lady Vengeance

    • Lady Vengeance

      Kritik:
      Ein weiterer Film aus meinem asiatischen Lieblingsfilmland Südkorea. Teilweise mit großen Budgets ausgestattet und den westlichen Sehgewohnheiten noch am nächsten, sind so grandiose Filme wie Oldboy, Brootherhood oder A Tale of Two Sisters entstanden.
      Auch in der jüngeren Zeit sind mit I saw the devil oder Man from Nowhere durchaus Kracher entstanden, die Südkorea wohlwollend abheben vom üblichen Asia-Trash den man sonst oftmals so serviert bekommt.

      Einer der bekanntesten Filmemacher Südkoreas ist sicher Park Chan-wook der mit seiner Revenge-Trilogie sowie dem zu unrecht leider weitestgehend unbekannten "JSA" zur Riege der absoluten Topregisseure gezählt werden muss. Von ihm stammt Lady Vengeance, der letzte Teil aus besagter Revenge-Trilogie bestehend aus Sympathy for Mr. Vengeance, Oldboy und eben diesem hier.
      Die Filme haben inhaltlich nichts miteinander zu tun und doch stellen sie den Zuschauer gemeinsam vor die selbe Frage: Darf ich mich Rächen wenn mir etwas schlechtes widerfahren ist? Darf ich deshalb selbst Quälen, Peinigen und sogar Töten?
      Auch Lady Vengeance findet darauf nicht so einfach eine Antwort und doch stellt der Film einen gewissen Abschluss der Trilogie dar, wenn versucht wird trotz des Geschehenen eine Art Frieden für die Rächer zu finden.

      Lee Young-ae, die Hauptdarstellerin, spielt hier den Racheengel. Dies macht sie außerordentlich gut, denn der Begriff Engel trifft es hier recht gut. Auch wenn sie nicht zwingend meiner Vorstellung von Traumfrau entspricht, so besitzt sie doch eine eigenartige Faszination und ihre Wirkung auf der Leinwand ist wirklich beeindruckend. Sie spielt das verletzliche und doch so grausame Wesen wunderbar und kann so den Zuschauer direkt in ihren Bann ziehen.
      Neben ihr ist natürlich noch Choi Min-sik zu erwähnen der wie immer stark aufspielt auch wenn ihm dies vielleicht nicht ganz so gut gelingt wie in "I saw the devil" oder in "Oldboy", was aber auch einfach daran liegt, dass der Focus hier stark auf Lee Young-aes Charakter liegt. Nichts desto trotz nimmt man ihm die Rolle des absolut Bösen zu jederzeit ab und kann ihm am Ende nur einen grausamen Tod wünschen.

      Auch wenn der Film mit grafischer Gewalt spart, so ist er doch nicht minderschwer zu ertragen. Ganz im Gegenteil. Wo man nach Folterfilmchen ala Saw und Hostel schnell zur Tagesordnung übergeht bleibt Lady Vengeance schwer verdaulich im Magen zurück. Auch wenn nur wenig gezeigt wird, aber es genügt die verzweifelten Hilfeschreie der Kinder im Off zu hören oder in das Gesicht scheinbar Unschuldiger zu Blicken die so eben aus Rachegründen einen Mord begangen haben. Das sitzt und wirkt lange nach. Zumindest bei mir...

      Formal ist der Film über jeden Zweifel erhaben. Kameraarbeit und Specialeffects sind einfach nur großartig. Optische Spielereien fügen sich so wunderbar in den Film ein und bilden somit eher Beiwerk als Hauptaugenmerk. So wird die Hauptdarstellerin immer wieder von einer Art Engelsaura umgeben oder Bilder fangen an sich zu bewegen etc...! Auch die Atmosphäre (kalt, Winterlandschaft, verlassene Gebäude) tragen zum außergewöhnlichen Seheindruck bei. Ich würde sogar behaupten, dass der Film technisch absolut mit den Highlights der Filmkunst auf einer Augenhöhe ist, ja diese werden teilweise sogar übertroffen. Allein deshalb sollte man ihn sich mal ansehen.

      Den Asia-Verächtern sei gesagt, dass die Filme aus Südkorea westlichen Sehgewohnheiten doch recht Nahe kommen und man sich vor allem diesen hier sehr gut ansehen kann. Bis auf eine Szene die wohl eher Asiaten gut finden, war nix dabei was mir jetzt besonders albern vorgekommen wäre. Zusammen mit einem Handlungsstrang der vielleicht etwas Straffung vertragen hätte, sind das aber auch mein beiden einzigen Kritikpunkte.

      Was bleibt ist ein grandioser Film zur Frage: Wie weit darf man für Rache gehen und was würde man vielleicht auch selbst tun? Es ist wirklich erstaunlich wenn man bemerkt wie während des Films selbst die Wut auf den Bösen in einem hoch steigt, denn schließlich hat er Kinder getötet. Nur um dann im weiteren Verlauf des Films vom Regisseur den Spiegel vorgehalten zu bekommen mit der Frage: Darf ich deshalb selbst töten? Bin ich dann besser als er?
      Eine wirkliche schöne Achterbahnfahrt.

      Abschließend bleiben somit für einen herausragenden Film, welcher mir sogar noch besser als Oldboy gefällt 9/10.

      [film]9[/film]
    • Ah, auf TheThing ist eben einfach verlass;)

      Ich halte Lady Vengeance wohl für den komplexesten Film der Trilogie, geht er mit dem Thema Rache doch direkter um als seine Vorgänger. Persönlich mag ich Oldboy aber lieber.
      Leider ist es sehr lange her, deshalb kann ich nicht mehr schreiben=(

      Hast du JSA gesehen Thing? Mein persönlicher Lieblingsfilm von ihm.
      What fools these Mortals be!
    • Original von DeathShark:

      Ah, auf TheThing ist eben einfach verlass;)

      Ich halte Lady Vengeance wohl für den komplexesten Film der Trilogie, geht er mit dem Thema Rache doch direkter um als seine Vorgänger. Persönlich mag ich Oldboy aber lieber.
      Leider ist es sehr lange her, deshalb kann ich nicht mehr schreiben=(

      Hast du JSA gesehen Thing? Mein persönlicher Lieblingsfilm von ihm.


      Ja, hab ich. War damals mein erster Film von ihm, zu einer Zeit als ich dem Asia-Kino noch eher abneigend gegenüber stand.

      Ich halte ihn auch für seinen Besten Film bzw. auch einen der allgeimein besten Filme die ich bislang gesehen hab. War damals sozusagen ein Hauptgrund für meinen wachsendes Interesse am asiatischen Film.
    • Jop im Bereich Südkorea bin ich schon recht gut durch. Da finden sich soviele Perlen... auch abgesehen von Chan-wook.
      Ansonsten im restlichen Asien halt die üblichen Sachen von Woo, Hark etc. Oder auch von Kurosawa. Wobei mir da noch Filme wie Ran oder 7 Samurai fehlen. Auch Infernal Affairs und Konsorten hab ich schon gesehen.
      Dazu die ganze Palette an Asia-Gruslern von Ring, Grudge, Re-Cycle, The Eye etc. bis hin zu hierzulande eher unbekannten Sachen wie A wicked Ghost, Epitaph, Uzumaki oder Invisible Secrets.

      Hast evtl. abgesehen von Korea noch ein paar Asia-Empfehlungen für mich?
      Kennst du Save the green planet? Der würd mich interessieren...
    • Oje, Asien Tipps? Da reicht wahrscheinlich der Platz im Forum nicht aus.

      Hehe, nein, es ist nur so, das asiatische Kino ist am ehesten mit dem europäischen Kino zu vergleichen. Jedes Land hat eine absolute andere Form des bewegten Bildes.

      China
      Das neue dokumentarische Kino in China. Viele der Filme dort sind aufgrund der strengen Zensur leider nur über Umwege zu erhalten.
      Ich gebe dir mal zwei Namen:

      Ai Weiwei (international bekannter Künstler und Filmemacher). Seine Filme gibt es auf Youtube.

      Wang Bing
      mit Filmen wie West Of The Tracks, Man With No Name oder Fengming, a Chinese Memoir. Seine Filme gibt es leider meist nur auf Festivals zu sehen (oder eben über Umwege;))

      Taiwan
      Ein Kino, welches ich persönlich sehr gerne mag, welches aber auch am ungewöhnlichsten ist. Zum Einstig kannst du dir ja mal die Filme von Ang Lee ansehen.

      Falls du aber wirkliche Meisterweke sehen willst, mach dich an die Filme von Tsai Ming Liang (Goodbye, Dragon Inn und Vive l´Amour, dazu gibt es hier im Forum Threads) oder Hou Hsiao-Hsien (Stadt der Traurigkeit, Geschichten einer fernen Kindheit).

      Auch Edward Yang sollte ich erwähnen, seine Filme kenne ich aber noch nicht.
      Einige der Filme sollten auch in Deutschland erhältlich sein. Ansonsten auch mal Youtube versuchen.

      Japan
      Akira Kurosawa ist hier natürlich der bekannteste, und das auch zurecht. Ran musst du dir unbedingt ansehen, ich liebe den Film.

      Ansonsten schau dir auf jeden Fall die Filme von Yasujiro Ozu an (Late Spring) oder auch Masaki Kobayashi (Harakiri)

      Das Japanische Kino ist wirklich eines der ergibigsten, deshalb gebe ich dir noch ein paar Namen ohne Filmtipps. Lies dich einfach etwas ein, dann findest du was.

      Hayao Miyazaki
      Kenji Mizoguchi
      Seijun Suzuki
      Shôhei Imamura
      Yoshishige Yoshida


      Nur um einige bekannte zu nennen. Ansonsten gibt es natürlich noch unzählige gute japanische Regisseure.

      Das wäre mal das, womit ich mich momentan beschäftige. Ich hoffe du findest etwas, was dich interessiert.
      What fools these Mortals be!