Lake Bodom

    • Der Thrill um die Geheimniskrämerei bleibt ein wenig auf der Strecke und erzeugt gerade zu Beginn einige Atempausen. Lange Zeit wird der Zuschauer mit dem klassischen Slasher Muster auf den ersten Kill vorbereitet. Bis zu diesem Zeitpunkt lebt der Film, von der Naturkulisse und den attraktiven weiblichen Besetzung.

      Ist das erste Opfer erst mal gekillt, verlässt die Handlung das gängige Slasher Muster und schlägt einen ganz eigenen originelleren Pfad ein. Der Zuschauer kann sich vollumfänglich der unkonventionellen Erzählstruktur entreissen und verliert ich in der düsteren toll ausgeleuchteten Nachtkulisse. Auch wenn zu Beginn dem Zuschauer, einiges an Basics vorenthalten wird, so wird die Handlung nach und nach mit schleichenden Wendungen zu einem Finale vorangetrieben, dass dann doch noch so etwas ähnliches wie ein Slasher ist.


      Ein hochwertiger und optisch perfekt inszenierter Horror Thriller, der auch mit einer innovativen Geschichte den Zuschauer an der Nase rumführt. Starke bedrückende Natur Sets, die eine prägenden Grundstimmung verinnerlichen.

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    • Mir hat der Film auch gut gefallen, hätte man allerdings noch mehr raus holen können. Ein wenig mehr Spannung wäre nicht schlecht gewesen, aber ansonsten ein durchaus stimmiger Beitrag.


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      Lake Bodom
      (Bodom)
      mit Nelly Hirst-Gee, Mimosa Willamo, Mikael Gabriel, Santeri Helinheimo Mäntylä, Pirjo Moilanen, Ilkka Heiskanen, Sami Eerola, Otso Ahosola, Ville Saksela, Iiris Kankkunen
      Regie: Taneli Mustonen
      Drehbuch: Taneli Mustonen / Aleksi Hyvärinen
      Kamera: Daniel Lindholm
      Musik: Panu Aaltio
      FSK 16
      Estland / Finnland / 2016

      Die beiden Freunde Elias und Atte überreden die Girls Ida und Nora, mit ihnen einen Trip an den See Bodom zu unternehmen, wo sie ihnen eine Party in einer Hütte versprechen. Tatsächlich wollen sie den Tatort eines bis heute unaufgeklärten Verbrechens aus dem Jahr 1960 besuchen, das sie für Fotos nachstellen wollen. Dass sie sich damit in Lebensgefahr begeben, können die Jungs nicht ahnen, denn auf einmal macht ein unbekannter Killer Jagd auf sie.


      Die Meinungen zu dieser estnisch-finnischen Co-Produktion gehen ziemlich weit auseinander und zwischen Langeweiler und einem tollen Film ist so ziemlich alles dabei was man sich nur vorstellen kann. Die Wahrheit liegt wohl wie immer irgendwo in der Mitte, denn "Lake Bodom" beinhaltet sowohl einige echte Stärken, lässt aber auf der anderen Seite auch diverse kleinere Mankos erkennen. Die größte Stärke der Geschichte dürfte sicherlich die vorherrschende Atmosphäre sein, denn da sich fast das gesamte Szenario in der Nacht abspielt, ist durchgehend eine gewisse Bedrohlichkeit zu verspüren. Dadurch ergibt sich auch ein größtenteils gelungener Spannungsaufbau und zudem ist die Erzählung auch noch mit einigen netten und nicht zwingend vorhersehbaren Wendungen ausgestattet, so das sich in der Summe gesehen ein ordentlicher Genrebeitrag zu erkennen gibt.

      Vier Jugendliche stehen im Fokus der Geschichte und zunächst verläuft das Geschehen ziemlich gradlinig, wobei dem Zuschauer schon fast eine gewisse Vorhersehbarkeit der Abläufe suggeriert wird. Doch dieser Eindruck ist trügerisch, denn mit der ersten Wendung wird der Kontext mit dem Mythos der unaufgeklärten Morde völlig auf den Kopf gestellt. Das macht ehrlich gesagt Lust auf mehr und die eigene Erwartungshaltung wird somit auch ein wenig gesteigert. Genau an diesem Punkt erreicht man dann aber auch die unübersehbaren Schwächen von "Lake Bodom", denn wer nun eine wirklich erstklassige Weiterführung der Abläufe mit innovativen Ideen erwartet wird letztendlich etwas enttäuscht sein, da Regisseur Taneli Mustonen sein Pulver anscheinend schon verschossen hat. Das mag sicherlich nicht jeder so sehen, aber von nun an gestaltet sich der Rest des Filmes keineswegs mehr überraschend, wobei insbesondere die äußerst plumpe Wiedereinführung des Lake Bodom Mythos nicht unbedingt Begeisterungsstürme hervor ruft.

      Lediglich die Thematisierung des Traumas von Hauptfigur Ida sorgt hier noch für Abwechslung, wobei vielen Leuten die relativ späte Einführung dieser Thematik eventuell ein Dorn im Auge ist. Andererseits ist es aber für gewisse Wendungen unabdinglich, das Mustonen diesen Punkt erst relativ spät einstreut und zuvor nur dezente Andeutungen in den Raum wirft. Die letzten gut 20 Minuten des Filmes gestalten sich dann zwar ziemlich temporeich, aber echte Spannung will nicht mehr so wirklich aufkommen. Dafür geht es nun zu vorhersehbar zur Sache und auch der finale Showdown hätte ganz bestimmt besser in Szene gesetzt werden können. Im Grunde genommen wurde also eine Menge an vorhandenem Potential verschenkt, denn mit ein wenig mehr Fingerspitzengefühl hätte "Lake Bodom" ein herausragender Beitrag werden können, aber leider haben die Macher es versäumt, gewisse Aspekte eingehender zu beleuchten. So hätte man sich beispielsweise viel mehr Informationen über die damaligen Morde gewünscht, doch diese wird eigentlich eher stiefmütterlich vernachlässigt.

      Trotz der angesprochenen Mankos ist "Lake Bodom" immer noch ein recht gelungener Genrebeitrag, aus dem man allerdings weitaus mehr hätte heraus holen können. Nach einer wirklich gelungenen ersten Filmhälfte bricht das Ganze leider ein wenig ein und die zuvor ausgespielten Stärken kommen nicht mehr richtig zur Geltung. Lediglich die gelungene Grundstimmung zieht sich konstant durch die kompletten gut 85 Minuten, wohingegen vor allem der Spannungsbogen zum Ende hin gewisse Einbrüche erkennen lässt.


      Fazit:


      Es ist schade, das man den zunächst eingeschlagenen Weg nicht konsequent bis zum Ende verfolgt, dann dann würde sich "Lake Bodom" definitiv im oberen Drittel des Genres ansiedeln. In der vorliegenden Form bewegt man sich jedoch leider nur im oberen Durchschnittsbereich und diesen Umstand hätte man meiner Meinung nach spielerisch vermeiden können. Eine Sichtung lohnt sich aber allemal, nur sollte man sich darüber im Klaren sein, das sich am Ende vielleicht kein gänzlich überzeugendes Gesamtbild ergibt.


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      Master Of Horror schrieb:

      Es ist schade, das man den zunächst eingeschlagenen Weg nicht konsequent bis zum Ende verfolgt.

      Genau dieser inhaltliche Stilbruch fand ich bei Bodom so reizvoll. Wäre man dem eingeschlagenen Pfad treu geblieben, wäre Bodom "nur" ein Slasher geworden. Aber gerade diesen Wechsel zum Horrorthriller, fand ich recht mutig.