Der schwarze Leib der Tarantel

    • Der schwarze Leib der Tarantel




      Der schwarze Leib der Tarantel
      (La Tarantola dal ventre nero)
      mit Giancarlo Giannini, Claudine Auger, Barbara Bouchet, Rossella Falk, Silvano Tranquilli, Annabella Incontrera, Ezio Marano, Barbara Bach, Stefania Sandrelli, Giancarlo Prete, Anna Saia, Eugene Walter, Nino Vingelli
      Regie: Paolo Cavara
      Drehbuch: Marcello Danon / Lucile Laks
      Kamera: Marcello Gatti
      Musik: Ennio Morricone
      keine Jugendfreigabe
      Frankreich / Italien / 1972

      Blu-Ray: 04.11.2016


      Ein Psychopath ermordet kaltblütig die hübsche Maria, indem er sie mit Insektengift erst paralysiert und danach gekonnt ausweidet: das Grauenvolle ist, Maria muss bei vollen Bewusstsein aber bewegungslos ihrem eigenen Mord zusehen. Inspektor Tellini, noch neu in seiner Position, wird mit der Ermittlung beauftragt. Er verdächtigt ihren Ehemann Paolo, der sich auch sofort aus dem Staub macht. Schnell hat Tellini einen zweiten Mord im gleichen modus operandi auf dem Tisch, die Dame war im Drogenhandel tätig. Und es gibt weitere Opfer, Tellini selbst und seine Frau geraten ins Netz des Mörders - bis ihn die Spur endlich zu einer Massagepraxis und dem gnadenlosen Showdown führt.


      Ganz generell ist es eine tolle Sache, wenn ältere Klassiker nach etlichen Jahren endlich eine deutsche Erstveröffentlichung auf DVD und Blu-ray erhalten. Wenn es sich dann auch noch um Beiträge aus einem tot geglaubten Sub-Genre wie dem des italienischen Gialli handelt, ist die Freude des Liebhabers umso größer. Nun ist der Fan dieser Kategorie in den letzten Jahren wahrlich verwöhnt worden, denn etliche Vertreter haben mittlerweile den Weg zu uns nach Deutschland gefunden und der Beitrag von Paolo Cavara aus dem Jahr 1972 ist der beste Beweis dafür, das Geduld sich manchmal eben doch auszahlt. Nicht wenige Leute zählen "Der schwarze Leib der Tarantel" zu den besten Beiträgen seiner Art und nach Sichtung des Filmes kann man diese Einschätzung auch ohne Weiteres teilen. Cavara setzt dabei auf das handelsübliche Strickmuster und hat seiner Geschichte die obligatorische Mordserie, einen erst kurz vor dem Ende erkennbaren Mörder und etliche Verdächtige einverleibt, so das der Freund des klassischen Gialli hier durchgehend auf seine Kosten kommt.

      Obwohl der Kreis der Tatverdächtigen wie fast immer recht groß ist, kann man als Kenner des Genres schon frühzeitig auf den wahren Mörder stoßen. Das ändert aber rein gar nichts an einem gelungenen Spannungsaufbau, zumal keinerlei eindeutige Indizien in den Raum geworfen werden, die den Killer frühzeitig entlarven. Eine wirkliche Bestätigung der eigenen Vermutungen erhält man also erst wenige Minuten vor dem Ende, so das sich hier also durchgehend ein interessantes Rätselspiel präsentiert. Dafür zeichnen auch die Darsteller verantwortlich, die mit richtig guten Performances aufwarten. Besonders fällt dabei Hauptdarsteller Giancarlo Giannini ins Auge des Betrachters, der in seiner Rolle als ermittelnder Inspektor von einigen Selbstzweifeln geplagt wird, ob der von ihm ausgeübte Beruf denn auch der richtige für ihn ist. Dieser Aspekt kommt des Öfteren in den Fokus und verleiht dem Ganzen eine sehr passende menschliche Note und zeigt deutlich auf, das auch Polizisten nur Menschen sind.

      Auch in atmosphärischer Hinsicht gestaltet sich "Der schwarze Leib der Tarantel" äußerst stimmig, was sicherlich auch der musikalischen Untermalung von Ennio Morricone zu verdanken ist, die stellenweise zwar im ersten Moment ein wenig ungewöhnlich erscheint, im Gesamteindruck aber doch nahezu perfekt ist. Morde gibt es dann auch genügend, nur sollte man an dieser Stelle keine vor Blut triefenden Gewalt-Orgien erwarten. Der visuelle Härtegrad bewegt sich viel eher auf einem sehr überschaubaren Niveau, was der Klasse des Werkes aber keinesfalls abträglich ist. Es handelt sich also um eine absolut sehenswerte Gesamtkomposition, bei der Paolo Cavara keinerlei experimentelle Wege einschlägt, sondern ganz einfach auf die üblichen Zutaten des Genres setzt und diese verdammt gut zusammen fügt. Ohne wenn und aber darf man diesen Beitrag zu den seltenen und vor allem besten seiner Art zählen, der nun auch endlich bei uns in Deutschland auf Blu-ray und DVD zu bewundern ist.

      Der geneigte Fan sollte also bedenkenlos zugreifen, bekommt er doch eine absolut erstklassige und spannende Geschichte serviert. Wie bei fast allen Gialli erscheint diese zwar in einigen Momenten nicht immer vollkommen logisch, wobei man an dieser Stelle aber auf keinen Fall von größeren Defiziten sprechen kann. Letztendlich bekommt der Zuschauer den typisch klassischen Stoff geliefert und dürfte an diesem eine ganze Menge Freude haben. Zudem wird es sicher nicht bei einer einmaligen Sichtung bleiben, denn "Der schwarze Leib der Tarantel" zählt definitiv zu den Klassikern des Gialli, die man sich in regelmäßigen Abständen immer wieder gern anschaut.


      Fazit:


      Und wieder einmal hat es für einen echter Klassiker zu einer deutschen Erstveröffentlichung gereicht, die im Prinzip schon lange überfällig war. Spannende und atmosphärische Unterhaltung ist hier vorprogrammiert und nur zu gern rätselt man als Betrachter mit, wer denn nun am Ende der psychopathische Mörder ist.


      [film]9[/film]
      Big Brother is watching you
    • Beste Szene ist mit den Spinnen die in Koksgläsern gehalten werden, an diesem Schauplatz kommt auch mal Schauer auf. Die Mordszenen mit der Nadel sind nicht besonders hart und immer gleich, wenn auch fies, nur wenn jedes mal das selbe kommt, ist es dann etwas ermüdend. Es gibt lediglich paar nahe Zooms wenn mit dem Messer noch an der Leiche geritzt wird. Ganz zum Schluss wird im letzten Dialog erklärt was der Massenmörder für einen Hintergrund hatte, kommt für mich aber etwas plump rüber, ohne diesen Dialog wäre der Film am Ende aber unerklärlich gewesen. Die stetige Musikuntermalung sorgt zumindest dafür, dass es nicht richtig langweilig wird. Es gibt ein paar Szenen die spannend sind, aber insgesamt hat er mich auch immer wieder mal gelangweilt.

      [film]5[/film]
    • Wieder ein Giallo mit dem ich sehr zufrieden bin. Und drei Bondgirls - wenn man den 67er Casino Royale dazu zählt - gibt es gratis dazu. :6:

      Master Of Horror schrieb:

      indem er sie mit Insektengift erst paralysiert und danach gekonnt ausweidet
      Das ist wohl die größte Untertreibung des Jahres. Es kommt niemals Gift vor, sondern durch den gezielten Stich hintem im Hals werden die Opfer gelähmt. Und eine Ausweidung kommt auch nicht zustande. Mann, wie ich diese idiotischen Klappertexte hasse!
      Ich verfolge Euch! Egal, wann oder wo ... Ich werde Euch kriegen!
    • Der schwarze Leib der Tarantel (1971)




      Regie: Paolo Cavara

      Produktion: Italien, 1971

      Mit: Giancarlo Giannini, Claudine Auger, Barbara Bouchet, Rossella Falk, Silvano Tranquilli, Annabella Incontrera, Ezio Marano, Barbara Bach, Stefania Sandrelli, Giancarlo Prete, Anna Saia, Eugene Walter

      Handlung:

      Ein psychopathischer Serienmörder begeht grausame Morde an jungen Frauen, indem er diese durch einen Stich in den Nacken mittels Akupunkturnadel paralysiert und anschließend mit einem Messer aufschlitzt. Die Opfer sind dabei bei vollem Bewusstsein. Die Mordmethode kopiert die Vorgehensweise einer Wespenart, die auf ähnliche Art Taranteln tötet. Der beruflich frustrierte Inspektor Tellini versucht eine Gemeinsamkeit oder Verbindung unter den Opfern zu finden, tappt dabei aber ziemlich im Dunkeln und hadert damit, seinen Job an den Nagel zu hängen. Er gerät allerdings selbst in das Blickfeld des Täters...

      Anmerkungen:

      Bei vorliegendem Film handelt es sich um einen typischen Giallo. Ein dunkel gekleideter Unhold mit Hut und Handschuhen begeht die üblichen sadistischen Morde, wobei hier als Verdächtigenkreis nur eine äußerst begrenzte Anzahl von Personen in Frage kommt. Die Aufdeckung ist wenig eindrucksvoll, um nicht zu sagen recht enttäuschend. Eine Gemeinsamkeit mit sehr vielen anderen Gialli ist, dass man mehr Billigfilm als großes Kino präsentiert bekommt. Wie bei vielen Werken der frühen 70er sind die Farben sehr oft auf der eher blassen Seite und die Musik wird stellenweise von einer Frauenstimme mitgehaucht oder geträllert, was man mögen kann oder auch nicht. Ich tendiere deutlich zu Letzterem. Was ich auch immer wieder bei diesem Genre beobachte ist, dass der Einstieg recht spannend ist, danach aber immer wieder Längen auftauchen. Insgesamt zieht mich die Art der Inszenierung einfach zu wenig in ihren Bann. Leider wird lediglich eine Szene durch einen Vertreter der titelgebenden achtbeinigen Spezies bereichert. Diese ist allerdings sehr gut gelungen und zeigt eine originelle Art, Drogen zu tarnen, indem der "Schnee" als Sandboden für Spinnen herhalten muss, was wohl fast jeden vor einer genaueren Inspektion zurückschrecken lässt. :)

      Die drei ehemaligen bzw. künftigen Bondgirls hinterlassen leider einen sehr farblosen Eindruck. Besonders auffällig ist, wie sehr die Ex-Miss-World-France von 1958, Claudine Auger (geb.1941), welche Bondfans als Domino in „Feuerball“ von 1965 bestens in Erinnerung haben, hier verblasst ist.

      Allerdings hat der Film auch positive Aspekte. Die fiese Mordmethode ist grundsätzlich phantasievoll und es wird, trotz der gelegentlichen Längen, eine gewisse Grundspannung beibehalten. Obwohl man mit der Aufdeckung alles andere als verwöhnt wird, liefert sich der Inspektor mit dem Psychopathen ein durchaus nervenaufreibendes Finale, in dem es den Anschein hat, dass ein schwerer persönlicher Schicksalsschlag nicht mehr abzuwenden ist. Giancarol Giannini (geb.1942) spielt einen sehr sympathischen und menschlichen Ermittler, dessen warmherziges Verhältnis zu seiner nicht weniger sympathischen Frau den Zuseher durchaus vereinnahmt und mit ihnen mitfiebern lässt.

      Fazit:

      Ein kleiner, wenig herausragender Film, der im charakteristischen Serien-Dschungel dieses Genres nicht zu Unrecht eher untergeht. Aufgrund des durchaus fesselnden Finales und anderer kleiner Stärken 6 von 10 Punkten. Die Schlussszene hätte man sich aber durchaus schenken können.

      [film]6[/film]
    • Haut mich ebenfalls nicht um, aber ein seriöser (der Schalke-Coach hat das Wort extrem populär gemacht) Giallo-Thriller