Polizeiruf 110: Einer für alle, alle für Rostock

    • Polizeiruf 110: Einer für alle, alle für Rostock

      Drehbuch – Wolfgang Stauch
      Regie – Matthias Tiefenbacher
      Kamera – Hanno Lentz
      Schnitt – Horst Reiter
      Ton – Thorsten Schröder
      Musik – Warner Poland, Kai-Uwe Kohlschmidt und Wolfgang Glum


      Der Tod eines Hooligans sorgt bei der Rostocker Bullerei für Fragezeichen. Die Hauptermittler haben private Krisen zu bewältigen und müssen sich jetzt auch noch mit anderen psychisch angeknacksten Typen (aus der Hooliganszene) befassen. Matthias Tiefenbacher lässt seine Protagonisten aggressiv agieren und zigfach das Wort „ficken“ aussprechen. Auf Dauer kann diese rüde Verhaltensweise etwas an den Nerven zerren, obwohl die Schaumschläger in unserem Umfeld auch nicht anders sind. Sehr anstrengend wirken zudem die Anfangsdialoge wie, „ Was ist ein Määtsch?“ und „Singen Ultras denn nicht nur?“ So doof kann das Publikum der öffentlich Rechtlichen doch gar nicht sein, RTL und SAT1-Jünger schauen sich doch nur bei der Grill-WM – und weniger beim Polizeiruf 110 rein.

      EINER FÜR ALLE, ALLE FÜR ROSTOCK verzichtet darauf die Rostocker Ultragemeinschaft einer rechten Ideologie zu unterziehen. Die Figuren schwingen zwischen Normalos, Oi-Skins, Post-Punks und Antifanten. Natürlich hat sich das Outfit von Rechtsautonomen mit den Jahren gewandelt, aber Tiefenbachers Charaktere aus der Fußballfanszene lassen sich eher mit dem erweiterten Fankreis des FC St. Pauli assoziieren. Ich vermute, dass einige Hansa-Ultras (bezüglich dieser Darstellung) ziemlich angefressen sein könnten.

      Fazit: Ficken, focken, fucken. Der Polizeiruf 110 treibt Tante Hildtruth die Schamesröte ins Gesicht. Auf mich wirkt der vulgäre Ton etwas penetrant. Als Milieustudie würde das Teil durchfallen, da die Verhaltensweise der Möchtegernrebellen zu aufgesetzt wirkt, andererseits gibt es wesentlich schlechtere Sonntagskrimis.