Die Hände meiner Mutter

    • Die Hände meiner Mutter



      Produktionsland: Deutschland
      Produktion: Mike Beilfuß, Matthias Greving, Cord Lappe
      Erscheinungsjahr: 2016
      Regie: Florian Eichinger
      Drehbuch: Florian Eichinger
      Kamera: Tom Schwarz
      Schnitt: Jan Gerold
      Visuelle Effekte: Andreas Hellmanzik
      Budget: ca. -
      Musik: André Feldhaus
      Länge: ca. 106 Minuten
      Freigabe: FSK 12

      Darsteller:

      Jessica Schwarz: Monika
      Andreas Döhler: Markus
      Heiko Pinkowski: Gerhard (Markus’ Vater)
      Katrin Pollitt: Renate (Markus’ Mutter)
      Katharina Behrens: Sabine (Markus’ Schwester)
      Sebastian Fräsdorf: Johannes (Markus’ Bruder)
      Rasmus Dahlstedt: Lasse (Markus’ Freund)

      Handlung:

      Der 39-jährige Markus ist mit Monika verheiratet, beide haben einen vierjährigen Sohn, Adam.
      Bei einer Familienfeier zu Ehren von Markus’ Vater, die mit einem Schiffsausflug verknüpft ist, geht Adam mit Markus’ Mutter, seiner Großmutter Renate, auf die Toilette und kommt mit einer kleinen Schnittwunde an der Stirn zurück.
      Bei einem Festessen hält Markus’ jüngerer Bruder Johannes eine Rede auf den Vater, die jedoch vor allem die tragende Rolle der Mutter für den Aufbau des Familienunternehmens herausstellt.
      In der Festgesellschaft hält Markus sich sehr zurück, gibt unverbindliche Antworten auf Fragen nach seinem Befinden und nimmt auch zu seiner Schwester Sabine nur Blickkontakt auf.

      Durch die Verletzung seines Sohnes holen Markus erstmals Erinnerungen an seine Kindheit ein, in der seine Mutter ihn wiederholt sexuell missbraucht hat.
      In einem Brief konfrontiert er Renate damit und erzählt auch Monika davon.
      Diese bezweifelt anfangs, dass es sich um reale Geschehnisse handelt. Als Antwort auf den Brief gibt Renate ihrer Schwiegertochter mit den Worten „Für euch!“ einen Umschlag, in dem sich die Armbanduhr befindet, die ihrem Vater gehörte.

      Als Markus seine Mutter wenig später in einem Café zur Rede stellt, gibt sie zu Markus’ Überraschung unumwunden alles zu. Kühl und auffällig distanziert bietet sie ihrem Sohn an, sich zu entschuldigen, wenn er das wünsche, auch wenn sie wisse, dass man so etwas nicht verzeihen könne.
      Markus weiß nicht, wie er reagieren soll. Monika gegenüber erklärt er die Sache zunächst für erledigt, seine Mutter sei für ihn gestorben.
      Doch Monika bezweifelt, dass das ein angemessener Umgang mit Markus’ Leid sei...



      Kinostart in Deutschland: 01.12.2016
      Deutsche DVD & Blu-Ray Fassung: 23.06.2017
      So viele Frauen und so wenig Zeit....
      Mein Herz gehört nur meiner Mama und dem...
    • Thematik und Titel:

      Im Zentrum steht das Tabuthema des sexuellen Missbrauchs von Müttern an ihren Kindern. Dem Regisseur ging es um die Hinterfragung von Geschlechterrollen und das Aufbrechen von Klischees:
      Entgegen der klassischen Konstellation ist hier eine weibliche Figur die Täterin, eine männliche das Opfer.
      Die zweite weibliche Hauptfigur, Monika, setzt wesentliche Impulse für die Aufdeckung der Vergangenheit.

      Der Filmtitel verweist auf die Ambivalenz mütterlicher Hände: Sie können Kinder beschützen und trösten, ihnen aber auch schwere und nachhaltige Verletzungen zufügen.
      Die Macht und Verantwortung von Eltern gegenüber ihren Kindern wird im Bild der Hand deutlich.

      Filmische Einzelheiten:

      Nur selten sind die Bilder mit Musik unterlegt, der Film wirkt sehr ruhig.
      Das Drehbuch „[setzt] auf sehr sparsame Dialoge […] und [lässt] stattdessen vielfach nur Blicke sprechen. “
      Es gibt nicht viele Szenen, in denen sexuelle Gewalt gezeigt wird.
      In diesen Rückblenden wird das Kind von demselben Schauspieler gespielt wie der erwachsene Markus, „ein außergewöhnlich gelungener filmischer Kunstgriff“.
      Durch diesen Verzicht auf einen Kinderdarsteller bleibt der Fokus auf dem Erwachsenen, der seine Kindheitserlebnisse in der Gegenwart verarbeiten muss, und es wird Voyeurismus vorgebeugt.

      Stellung im Werk des Regisseurs und in der Filmgeschichte:

      Nach Bergfest (2008) und Nordstrand (2013) widmet sich Regisseur Florian Eichinger ein drittes Mal dem Thema der familiären Gewalt.
      Im Zentrum der Trilogie steht nicht das Geschehene, sondern die Beschreibung der Folgen für das weitere Leben. Auch dieser Film stellt Geschlechterrollen in Frage und zielt darauf ab, menschliche Komplexität vor dem Hintergrund zwischenmenschlicher Konflikte deutlich zu machen.
      Bei der Recherche für einen vorausgehenden Film war Florian Eichinger auf die Geschichte einer Mutter gestoßen, die ihr eigenes Kind sexuell missbraucht hatte.

      Anklänge an Das Fest sind spürbar. Stefanie Zimmermann schrieb in der Fachzeitschrift Blickpunkt:Film: „Ein Film mit einer emotionalen Härte, der an das dänische Kino der späten Neunzigerjahre erinnert.“
      Patrick Wellinski sah hier jedoch keine Kopie, sondern eine Transposition in einen deutschen Kontext mit einer einfühlsamen Erzählweise.

      Nach Rosa von Praunheims Film Härte ist dieser Film der zweite deutsche Film innerhalb kurzer Zeit über das Tabuthema sexuelle Gewalt einer Mutter an ihrem Sohn.
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    • Es fehlt komplett die Musik, damit hätte man hier mehr rausholen können. Dennoch ist der Film gut gespielt. Die sexuelle Berührung mit Markus als Junge, wofür er als Erwachsener und nicht als Kind gezeigt wird, hat etwas unfreiwillig komisches, hier hat der Mut gefehlt sowas mit Kinder auch aufzuzeigen. Die Paartherapie ging mir etwas zu lang, füllt den kompletten Mittelteil des Films, wenn gleich es eigentlich nie langweilig wird, man merkt aber, dass der Film mehr Inhalt noch bieten könnte.

      Der Film ist ok, wenig provokant aber unterhaltend und auch etwas ergreifend im Bezug auf die Thematik von Kindesmissbrauch im eigenen Zuhause. Das Markus die Erlebnisse der Kindheit so lange herauszögern kann und erst mit etwa 40 Jahre sich dann plötzlich daran erinnert, kann man nicht so ganz begreifen, der Film erklärt das mit einem „Alles Gelogen“ Einschwören am Familien-Essenstisch früher, wo er Kind war und das wirkt einfach zu Deutsch und zu einfach gedacht.

      Insgesamt nicht an der Thematik vorbei, wenn man nicht gerade richtig Kontroverse Kost bevorzugt, gut sehbar.

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