Too Beautiful to Die

    • Too Beautiful to Die






      Too Beautiful to Die
      (Sotto il vestito niente 2)
      mit François-Eric Gendron, Florence Guérin, Randi Ingerman, Giovanni Tamberi, Helena Jesus, Nora Ariffin, François Marthouret, Gioia Scola, Raffaele Biondi
      Regie: Dario Piana
      Drehbuch: Dario Piana / Achille Manzotti
      Kamera: Alan Jones
      Musik: Roberto Cacciapaglia
      ungeprüft
      Italien / 1988

      Wilde Orgien, Kokain und die heißesten Top-Mannequins. Alizzi weiß, wie er als skrupelloser Geschäftsmann seinen Spaß haben kann. Aber Sylvia wird von ihm vergewaltigt, und die Polizei findet die verkohlte Leiche in ihrem ausgebrannten Wagen. Die Spur führt in die exklusiven Filmstudios von David, wo Sylvia und ihre anderen Gespielinnen in erotischen Videoclips ihr Bestes geben. Dort greift das Grauen um sich. Die Mädchen werden eingeschüchtert und eine nach der anderen mit einer geheimnisvollen Klingenwaffe umgebracht. Lauren kann sich zunächst bei David in Sicherheit bringen, aber schon bald kommt sie einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur.


      Drei Jahre nachdem Carlo Vanzina's "The Last Shot" erschien, folgte 1988 mit "Too Beautiful to Die" der indirekte Nachfolger. Wieder wird der Zuschauer in die Welt der Modells entführt, wobei die Geschichte trotz diverser Ähnlichkeiten zum Vorgänger in wesentlichen Teilen erhebliche Unterschiede aufweist. Das fängt schon einmal auf dem Regiestuhl an, auf dem dieses Mal der ehemalige Comiczeichner und Werbefilmer Dario Piana Platz nahm. Dieser Umstand ist sicherlich auch der Tatsache geschuldet, das sich das italienische Genrekino seinerzeit im Niedergang befand und man die Produktion etwas amerikanischer gestalten wollte. Vor allem in visueller Hinsicht ist dieses Vorhaben dann auch vortrefflich gelungen, denn dieser Beitrag präsentiert sich sehr durchgestylt und erweckt phasenweise schon ein wenig den Eindruck, als wenn er vollkommen beabsichtigt auf Hochglanz getrimmt wurde. Und so wirkt "Too Beautiful to Die" dann auch phasenweise nicht unbedingt wie der handelsübliche Giallo, obwohl im Prinzip doch sämtliche Zutaten dafür beigemengt wurden. Dennoch ist es vielmehr ein sehenswerter Mix aus Giallo, Slasher und einer ordentlichen Portion Erotikthriller, was insgesamt einen herrlich kruden Gesamteindruck entstehen lässt.

      Von der Handlung her sollte man keinerlei Wunderdinge erwarten, denn ganz davon abgesehen das es sich einmal mehr um die typische Rache-Thematik handelt, gerät diese auch während der Laufzeit auch gern einmal völlig in den Hintergrund. In diesen Phasen widmet sich Piana dann gern einmal einige Minuten lang dem Dreh eines Musikvideos und serviert dem Zuschauer diverse Tanzeinlagen wohlgeformter Damen in irgendwelchen Kostümen. Hier erinnert das Werk dann auch ein wenig an Fulci's "Murder Rock", wobei diese Szenen nicht unbedingt die inhaltliche Substanz der Produktion aufwerten. Dennoch passt das Ganze ganz gut zusammen und wirkt auch erstaunlich stimmig, jedoch sind es insbesondere auch genau diese Passagen, die immer wieder Spannungseinbrüche erkennen lassen. Ganz generell kommt während der Laufzeit aber auch nie wirkliche Hochspannung auf, denn obwohl Piana kleinere Wendungen und einige falsche Fährten einstreut, dürfte der erfahrene Giallo-Liebhaber ziemlich schnell wissen, auf wessen Konto die Morde an einigen Modells gehen.

      In der Summe gesehen geht es bei den vorhandenen Kills nicht sehr blutig zur Sache, man sollte in dieser Beziehung also auf gar keinen Fall einen gesteigerten Härtegrad erwarten. Auch in schauspielerischer Hinsicht erlebt man keine Offenbarung, aber die Leistungen der Akteure bewegen sich im äußerst soliden Bereich. Ein etwas größeres Defizit beinhaltet diese Produktion aber definitiv, denn es dauert ganz einfach zu lange bis die Geschichte so richtig in Fahrt kommt. Zu sehr beschäftigt man sich zu Beginn mit den Einblicken in die Modellwelt, bevor man dann der eigentlichen Thematik größere Beachtung schenkt. Das geht dann auch ein wenig auf Kosten der Atmosphäre, die leider zu keiner Zeit die Dichte erlangen kann, die man aus unzähligen anderen Genrevertretern her kennt. Man merkt also, das "Too Beautiful to Die" nicht frei von Fehlern ist, aber dennoch handelt es sich immer noch um einen ziemlich stimmungsvollen Beitrag, der allerdings etwas hinter dem Vorgänger zurück bleibt.

      Dario Piana hat hier einen nicht unbedingt typischen Genrebeitrag kreiert, der stellenweise mit äußerst viel Sleaze ausgestattet ist und aufgrund seiner Kombination aus verschiedenen Genres nicht alltäglich erscheint. Das mag nicht jedem schmecken, aber insbesondere diese Mixtur macht den Film auch irgendwie reizvoll. Zu den Größen des italienischen Gialli zählt diese Produktion sicherlich nicht, andererseits gibt es aber genügend Vertreter dieser Art die weitaus schlechter unterhalten. Es liegt wie immer im Auge des Betrachters, aber anschauen sollte man sich diesen bei uns eher unbekannten Film auf jeden Fall.


      Fazit:


      Nicht ganz so gut wie sein Vorgänger "The Last Shot" bietet "Too Beautiful to Die" immer noch sehenswerte Genrekost an der man seine Freude haben kann. Die äußerst stylische Umsetzung der Geschichte mag nicht jedem zusagen, ist aber andererseits als Höhepunkt dieser Produktion auszumachen, die sich ansonsten im normalen Durchschnittsbereich ansiedelt.


      [film]6[/film]
      Big Brother is watching you