Cannibal Holocaust

    • Ich mochte den Film schon immer, aber seit ich die XT-Ultrasteel habe und das ganze Bonusmaterial kenne, also Making of, Interviews, Audiokommentar von Deodato etc, mag ich ihn noch mehr.

      Ich bin kein großer Fan von Deodato als Regisseur, finde seine anderen Filme eher mittelmäßig, aber mit Holocaust ist ihm wirklich ein extrem guter Film gelungen. Die Dreharbeiten waren äußerst schwierig, er wurde tatsächlich im tiefsten Urwald gedreht, für die ganze Crew war es eine einzige Tortur, diesen Film zu drehen.

      Ich finde nicht, dass man Holocaust komplett mit anderen Kannibalenfilmen vergleichen kann bzw. sollte, da alle anderen ausschließlich der Unterhaltung dienen, während Holocaust mehrere Botschaften vermittelt, wie es Deodato auch erklärt. Interessant fand ich auch die Tatsache, dass die Filmcrew z.B. in der Affenszene die Spezialeffekte schon vorbereitet hatte, aber Deodato darauf bestand, dass der Wilde einen realen Affen den Schädel spaltet und das Hirnrauskratzt, um es zu essen. Tatsächlich wurden sogar zwei Affen getötet, da er die Szene noch aus einem anderen Winkel filmen wollte.

      Für die Wilden gilt (oder galt) dies dort als Spezialität. Ja, der Film ist menschenverachtend, Deodato wurde oft vorgeworfen, das es unveratwortlich von ihm sei, Wilde so vorzuführen und auf Film zu bannen. Auch diese ganzen abartigen Riten zu zeigen, da diese schließlich von einigen Wilden tatsächlich so abgehalten wurden z.B. die Steinigung der schwangeren Frau oder auch die Vergewaltigung und anschließende Tötung mit dem Holzpimmel (im Film natürlich nur gestellt) sei "menschenverachtend", da man diese nicht so zeigen dürfe, vor allem nicht, wenn es sich um einen realen Hintergrund handelt. Ich persönlich finde es gut, dass Deodato das so rücksichtslos gezeigt hat und sich mit der Thematik beschäftigt hat und nicht alles nur erfunden wurde und im Autorenraum ersonnen. Der Rassismus-Vorwurf, der ihm diesbezüglich oft gemacht wurde und gemacht wird, ist falsch, da er ja andererseits die "Zivilisierten" in ebenso abscheulicher Weise darstellt.
      Ja, es ist ein sehr negativer und aggressiver Film und mit Sicherheit auch nicht für Jedermann geeignet.

      An den Tierszenen hab ich mich natürlich wie jeder andere auch, ebenfalls nicht erfreut, dennoch passen sie einfach richtig gut rein in den Film. Und im Gegensatz zu anderen Kannibalenfilmen, wurden die Tiere hier nicht gequält sondern schnell getötet und obendrein auch gegessen, was in anderen Kannibalenfilmen ebenfalls nicht der Fall war. Es wurde einfach auch härter inszeniert und dargestellt, als es dann tatsächlich eigentlich war. Aber für Vegetarier und Veganer gibt es auch Fassungen von dem Film, in denen sämtliche Tierschlachtungsszenen fehlen. Der Film ist bestimmt auch ohne diese Inhalte sehr gut. Dass sich aber Fleischesser darüber aufregen, ist für mich nicht nachvollziehbar, wer Fleisch isst, muss akzeptieren, dass das Tier auch geschlachtet wird. Und im Dschungel gibts nunmal keine Betäubungsmöglichkeiten. Sicherlich ist es moralisch bedenklich, Tiere nur zum Zweck der Unterhaltung zu Töten, aber dass war hier in diesem Film ja nicht der Fall. Den Tieren war es übrigens egal, ob sie vorher gefilmt wurden, nachdem man sie gegessen hat. Ob sie nun von Menschen oder von anderen Tieren gefressen wurden, spielt ebenso keine Rolle. Ich sehe mir oft Tierdokus an und frage mich wirklich, warum so viele Menschen gerade mit Cannibal Holocaust Probleme haben, naja....

      Cannibal Holocaust zeigt sehr radikal den Horror der Natur, das Monster Mensch, das Monster Tier, die Gefährlichkeit des Dschungels und kritisiert nebenbei durch die Darstellung des Filmteams rund um Alan Yates die Skrupellosigkeit der Medien. Letzter Aspekt mag vielleicht etwas zwiespältig sein. Der geniale Soundtrack, welcher wunderschön ist, macht den Film indirekt noch härter.

      Für mich bis heute einer der härtesten Filme aller Zeiten, minimum 2x Jahr wird er gesichtet, meist wenn es mir psychisch nicht gut geht, denn danach geht es mir immer besser, wenn ich ihn gesehen habe. Kult!

      zerfleischte [film]9[/film]
    • Ich habe ihn zuletzt auch wieder gesehen, wenn auch mehr durch Zufall, ansonsten nutze ich solche Tage um mich vorher mit anderen Filmen des Genres "einzustimmen".
      Meine Herren was ein Schlachtfest, welch Kraft in den drastischen Bildern.
      Das einzige was ich mittlerweile zu "bemängeln" habe ist die Tatsache das ich ihn In und Auswendig kenne, ich kann mich noch dunkel daran erinnern wie verstört er mich beim ersten anschauen zurück gelassen hat.
      So viele Frauen und so wenig Zeit....
      Mein Herz gehört nur meiner Mama und dem...

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von tom bomb ()

    • Ich schreibe aus eigener Erfahrung...

      "I wonder who the real cannibals are."
      Alleine der Blick in meine Freundesliste genügt, um mir die Gewissheit zu geben, dass Deodatos kontroverser Kannibalenstreifen noch heute polarisiert. Und gewiss kann ich es niemandem verübeln, wenn er eine Abneigung gegen den Film hat, wenngleich er für mich einer der wichtigsten Vertreter des italienischen Genrekinos ist.
      Zur Handlung: Eine Filmcrew bricht in den südamerikanischen Dschungel auf, um eine Dokumentation über die letzten Kannibalen zu drehen. Als diese nicht mehr zurückkehren, wird eine bewaffnete Sucheinheit hinterhergeschickt, welche jedoch nur noch das Filmmaterial bergen kann, welches auch zurück in New York prompt gesichtet wird.
      Unterlegt mit einem unvergesslichen Score von Riz Ortolani, welcher tragischerweise vor wenigen Jahren verstarb, lässt Deodato seine bedrückende Allegorie der menschlichen Abgründe auf den Zuschauer los. Zunehmend wird der Zuschauer Zeuge, wie die gnadenlose und raue Umgebung die Wahrnehmung und Moral der Protagonisten beeinflusst, welche sich mehr und mehr ihrer zivilisierten Basis enteignen und zu ebenso gnadenlosen Bestien verkommen. Diese Metamorphose endet, sobald die Mitglieder des Filmteams jeglichen Ethos fallen lassen und sich der gesetzlosen Welt des Dschungels auf verstörende Art und Weise hingeben. Eingefangen wird die unheilvolle Konfrontation der "zivilisierten" und "primitiven" Welt in spektakulären Bildern, für die sich Sergio D'Offizi verantwortlich nennen darf. Die wunderbare Kameraarbeit ermöglicht es der Atmosphäre, sich vollkommen zu entfalten. Mit den äußerst unnötigen und lang gedehnten Foltersequenzen, wie beispielsweise die Bestrafung der Ehebrecherin, bezichtigt sich der Film mit einem Augenzwinkern selbst dem Voyeurismus, weshalb ich Deodato nichts verdenken kann.
      Die Ausgangssituation der Handlung mag zwar vorhersehbar sein, doch verfehlt seine Wirkung trotz allem nicht und bestätigt letztendlich seine ohnehin kontroverse Aussage in noch kontroverseren Bildern.
      "Wer das Negative regelmäßig ausblendet, wird positiv krank." - Paul Mommertz
    • Dr.Doom schrieb:

      Senseless schrieb:

      Wenn du auf Moviepilot einen positiven Kommentar über den Film schreibst...


      bist du verrückt, auf der großen Maisntreamseite wirst dannach verfolgt ^^
      Diese schmerzhafte Erfahrung musste auch ich machen. Du könntest es dir gar nicht mehr erlauben nach deiner "Blade Runner 2049"-Kritik. :0:
      "Wer das Negative regelmäßig ausblendet, wird positiv krank." - Paul Mommertz
    • Senseless schrieb:

      Diese schmerzhafte Erfahrung musste auch ich machen. Du könntest es dir gar nicht mehr erlauben nach deiner "Blade Runner 2049"-Kritik
      Der ist auch noch schlechter als das Original. Ich kann es zwar noch nachvollziehen das man den alten Blade Runner oder Odyssee im Weltraum aus Nostalgischer Sicht was abgewinnen kann, auch wenn beide Filme wenig Spannung erzeugen, aber das dieser seelenlose Müll von Heute wie Blade Runner 2049 so gehypt wird, hat schon was von einer Sekte die stetig gekünstelte Hypes erzeugt. Die Filme sind sowas von stinklangweilig, ich weis nicht wie es so viele es schaffen das aufzunehmen und derart abzufeiern. In dieser Gesellschaft möchte ich mich in einem Forum oder Blog wie Moviepilot erst garnicht mehr begeben.