Die Wildgänse kommen

    • Die Wildgänse kommen





      Die Wildgänse kommen
      (The Wild Geese)
      mit Richard Burton, Roger Moore, Richard Harris, Hardy Krüger, Stewart Granger, Winston Ntshona, John Kani, Jack Watson, Frank Finlay, Kenneth Griffith, Barry Foster, Ronald Fraser
      Regie: Andrew V.McLaglen
      Drehbuch: Daniel Carvey (Roman), Reginald Rose
      Produktion: Euan Lloyd
      Kamera: Jack Hildyard
      Schnitt: John Glen
      Musik: Roy Budd
      FSK 16
      Großbritannien / Schweiz / 1978





      In einem vom Krieg zerrissenen Staat im Herzen Afrikas sollen die Wildgänse, ein 50 Mann starkes Söldnerkommando um Colonel Allen Faulkner, den abgesetzten und eingekerkerten Präsidenten Limbani befreien. Der Auftraggeber, ein britischer Bankier, erhofft sich von der Aktion die Ausbeutung reicher Kupfervorkommen. Die Mission entwickelt sich für die Truppe zu einem Himmelfahrtskommando: Als sie in finsterer Nacht über dem Zielgebiet abspringen, hat ihr Auftraggeber sie bereits abgeschrieben und sich mit dem Widersacher Limbanis geeinigt. Ohne jede Hilfe müssen sich Faulkners Männer nun durch den afrikanischen Busch schlagen. Ihnen immer auf den Fersen sind die Simbas, die gnadenlose Elitetruppe der Rebellenarmee. Die Chancen, diesen mörderischen Einsatz lebend zu überstehen, stehen eins zu eintausend ...


      Söldnerfilme gibt es wie Sand am Meer und die Wenigsten davon können von sich behaupten, das sie wirklich gelungen sind. Doch dieser Film von Regisseur Andrew V. McLaglen ist wohl das mit weitem Abstand beste Werk, das in dieser Sparte je gedreht wurde. Das liegt insbesondere darin begründet, das es der Zuschauer hier nicht nur mit sinnloser Action zu tun bekommt, sondern eine wirklich interessante und grandios umgesetzte Geschichte präsentiert bekommt, die auch inhaltlich etwas mehr in die Tiefe geht. So wird beispielsweise auch die Rassen-Thematik angeschnitten, die sich vor allem in den Dialogen zwischen dem aus Südafrika stammenden Söldner Pieter Coetze (Hardy Krüger) und Julius Limbani (Winston Ntshona) widerspiegelt. Ohne zu übertreiben kann man getrost behaupten, das diese Dialoge eines der absoluten Highlights dieses großartigen Filmes sind, der nicht gerade mit Höhepunkten geizt.

      Da braucht man lediglich die hier agierende Darsteller-Riege nehmen, in der sich damalige Welt-Stars praktisch die Klinke in die Hand geben und durch ihr grandioses Schauspiel zu einem nahezu perfekten Gesamtbild beitragen. Neben Richard Burton gibt es ein Wiedersehen mit Schauspielern wie Roger Moore, Richard Harris, oder dem unvergessenen Hardy Krüger. Allein diese 4 Namen sind schon ein Qualitätssiegel und prägen das Geschehen, das sich einem hier offenbart. Allein schon die im ersten Drittel des Films dargestellte Auswahl der Söldner wurde fantastisch in Szene gesetzt und entbehrt auch nicht einer ordentlichen Portion Humor, die dem ansonsten sehr ernsten Szenario eine äusserst charmante Note verleiht und beim Betrachter auch für so manchen Schmunzler sorgt, den man sich einfach nicht verkneifen kann.

      Hauptsächlich geht es allerdings durchaus ernst zur Sache, die Geschichte baut von Beginn an sehr viel Spannung auf, die sich mit der Zeit auch immer mehr verdichtet. Insbesondere der Teil des Filmes, der in Afrika spielt, erscheint auch atmosphärisch extrem dicht und verfügt über einen sehr straff gezogenen Spannungsbogen, wobei teilweise schon absolute Hochspannung erzeugt wird, die sich schon fast zwangsläufig auch auf den Zuschauer überträgt, der wie gebannt das Geschehen verfolgt, das sich ihm da offenbart. Dabei wurde es nicht versäumt, auch viele gelungene Action-Passagen einzubauen, die qualitativ als sehr gelungen bezeichnet werden können und bei Freunden dieser Film-Gattung auf jede Menge Gegenliebe stoßen dürften.

      Letztendlich ist es aber das perfekte Gesamtbild, das diesen Klassiker von anderen Genre-Kollegen wohlwollend abhebt, denn hier ist alles grandios aufeinander abgestimmt. Man bekommt nicht die übliche dünne Rahmenhandlung, sondern eine wirklich sehenswerte Geschichte zu sehen, die allein schon inhaltlich vollkommen überzeugen kann. Großartige Darsteller, jede Menge Spannung und brillante Action-Sequenzen tun ihr Übriges, um ein mehr als nur unterhaltsames Film-Erlebnis zu offenbaren, an dem man immer wieder seine helle Freude hat, da es sich ganz einfach um einen zeitlosen Klassiker handelt, der einen äusserst hohen Wiedererkennungs-Faktor beinhaltet und so nachhaltigen Eindruck beim betrachter hinterlässt.

      Besonders schön ist die Tatsache, das die Firma Ascot Elite sich jetzt dieses Juwels angenommen hat und den Film restauriert hat, so wurde das Werk neu abgetastet und digitalisiert und ist in einer schicken Verpackung als 2-Disc Special Edition erschienen. Für wahre Film-Freunde eine Anschaffung, die sich auf jeden Fall lohnt und die man sicher nicht bereuen wird.


      Fazit:


      "Die Wildgänse kommen" ist wohl der bekannteste und auch beste Film, in dem die Söldner-Thematik behandelt wird. Im Gegensatz zu den meisten Genre-Kollegen wurde hier darauf geachtet, das nicht nur sinnbefreites Rumgeballere zu sehen ist, sondern das die Story auch inhaltlich überzeugen kann. Selbstverständlich sind hier auch Dinge wie Loyalität und Verrat ein Thema, doch erreichen diese Zutaten ein vollkommen anderes Qualitäts-Level, als man es normalerweise bei diesen Filmen gewöhnt ist. Absolut herausragend aber ist der Cast, denn hier geben sich mehrere Legenden des Films ein Stelldichein, das man nicht sooft geboten bekommt. Ein zeitloser Klassiker, der immer wieder zu begeistern weiss und auch nach nunmehr über 30 Jahren rein gar nichts von seinem Reiz und seiner Faszination eingebüsst hat.


      Die DVD:

      Vertrieb: Ascot Elite
      Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 2.0
      Untertitel: Deutsch
      Bild: 1,85:1 (16:9)
      Laufzeit: 129 Minuten
      Extras: Audiokommentar, Der Flug der Wildgänse, Privatkrieg der Hollywood-Stars, The last of the Gentleman Producers, Die Restauration, Trailershow


      [film]10[/film]
      Big Brother is watching you
    • Super, ich finde es großartig das du ein Review zu diesem Klassiker geschrieben hast.
    • Original von sid.vicious
      Super, ich finde es großartig das du ein Review zu diesem Klassiker geschrieben hast.


      Das finde ich auch und ich gebe dir in allen Punkten Recht.

      [film]9[/film]
      Drei Dinge sind unwiederbringlich:
      der vom Bogen abgeschossene Pfeil,
      das in Eile gesprochene Wort,
      die verpasste Gelegenheit.
      Ali der Löwe, Kalif des Islam
    • @Master! Das muss ich auch sagen! Einer der Klasiker! Ein Staraufgebot in einer tollen Landschaft,witzig,brutal und herrlich unterhaltend! [film]10[/film]
      So viele Frauen und so wenig Zeit....
      Mein Herz gehört nur meiner Mama und dem...
    • Original von sid.vicious
      Super, ich finde es großartig das du ein Review zu diesem Klassiker geschrieben hast.



      Danke für die Blumen, man tut, was man kann.
      Big Brother is watching you
    • Die Kulisse wirkt anfangs mittlerweile sehr eingestaubt und die Darsteller sind im Schnitt jenseits der 50. Der erste Anblick ist nicht gerade berauschend, außer man steht auf optisch alte Schinken. Das erste Drittel wird im Film zum rekrutieren von Soldaten genutzt. Anfangs ist der Film zwar noch ein wenig lahm, zunehmend aber lückenlos unterhaltsam. Zu sehen gibt es das aufpolieren von alten Männern zu Kampfmaschinen. Dabei kann man sich gut amüsiert, es geht rustikal aber humorvoll zur Sache, ähnlich wie viel später auch anfangs bei „Full Metal Jacket“ zu sehen. So ganz passen die hier witzigen Umgangsarten der Soldaten nicht zusammen, zumindest in der ernsten Situation in Afrika dann nicht, wo Kameraden hingerafft werden, da kann man nicht mehr fröhlich bei sein. Richtige Charismatiker bilden sich bei den Darstellern auch nicht heraus. Immerhin wird nach dem eingestaubten 1.Drittel die Kulisse und auch Outfits der Charaktere etwas peppiger erscheinen. An Action gibt es Explosionen und dabei durch die Erschütterung fliegende Soldaten, auch wenn diesbezüglich noch etwas mehr Action drin war. Der Vergleich mit „Full Metal Jacket“ hingt vom Ablauf her natürlich stark, da würde eher der Vergleich mit „Predator" und gut passen, wo es gilt, dass Söldnern jemanden aus einem verfeindeten Lager befreien. Dennoch, die amerikanischen 70er und 80er Filme sind einfach besser, was aber nicht heißt, dass „Die Wildgänse kommen“ nun nur schlecht ist. Es lohnt sich vor allem anhand der aufkommenden 70er Flower-Power Atmosphäre und dem tollen Sound doch mal reinzuschauen, wenn man derart Kriegs/Actionfilme wohl gesonnen ist.

      [film]7[/film]

      Filmbewertung: 1-3 Schrott 4-5 belanglos 6-7 schauen möglich 8-10 sehenswert
      Dance in the Dark TOP 66 to 100 Daily Topically (Spotify)
    • Erwin C. Dietrich, Schweizer Co Produzent des Films hat es clever gemacht.
      Während er in den USA floppte, hatte er die Rechte für den deutschsprachigen Raum in dem der Film eine riesen Hit wurde.
      Zudem sicherte er sich die Rechte für Video und Marketing, dies wurde sein grösster Erfolg, und er hatte viele.

      Hardy Krüger hat sich später aufgrund des beim Filmschnitt veränderten Schwerpunktes, weg von dem eigentlichen politisch-sozialen Konflikt hin zu einer – vor allem in der Endphase – von Actionszenen dominierten Darstellung, von seiner Beteiligung distanziert.
      So viele Frauen und so wenig Zeit....
      Mein Herz gehört nur meiner Mama und dem...