88 Minutes




    • Originaltitel: 88 Minutes
      Produktionsland: Deutschland, Kanada, USA
      Produktion: Jon Avnet, Randall Emmett, Avi Lerner, Gary Scott Thompson u.a.
      Erscheinungsjahr: 2007
      Regie: Jon Avnet
      Drehbuch: Gary Scott Thompson
      Kamera: Denis Lenoir
      Schnitt:Peter Berger
      Spezialeffekte: Chris Flemmington, Bill Mills, Ted Sweet
      Budget: ca. 30.000.000 $
      Musik: Edward Shearmur
      Länge: ca. 106 Min.
      Freigabe: FSK 16
      Darsteller: Al Pacino, Alicia Witt, Leelee Sobieski, Amy Brenneman, William Forsythe, Deborah Kara Unger, Benjamin McKenzie, Neal McDonough, Leah Cairns, Stephen Moyer, Christopher Redman, Brendan Fletcher, Michael Eklund, Kristina Copeland, Tammy Hui, Vicky Huang, Victoria Tennant u.a.

      Deutsche DVD: Kinowelt Home Entertainment (natürlich ungeschnitten!)


      Inhalt:
      Collegeprofessor Jack Gramm arbeitet ab und an als Gutachter für das FBI. Er entscheidet, ob ein Killer zurechnungsfähig ist oder nicht. Vor 9 Jahren hat er den vermeintlichen Serienkiller Jon Forster durch sein Gutachten in die Todeszelle gebracht. Nun soll dieser hingerichtet werden, doch er beteuert immer wieder in Interviews vor laufender Kamera seine Unschuld. Eines Tages geschieht ein Mord nach dem selben Muster, wie ihn Forster vor 9 Jahren begangen haben soll. Und kurz darauf erhält Jack Gramm, während er eine Vorlesung hält, einen Anruf, in dem ihm eine unbekannte Stimme mitteilt, dass er nur noch 88 Minuten zu Leben habe ... Steckt Forster dahinter? Oder doch ein Nachahmer? Jack muss sich mit der Aufklärung beeilen, bevor seine Zeit abgelaufen ist.


      Trailer:
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      Fazit:
      "Hallo Jack! Sie haben nur noch 88 Minuten zu leben ...! Tick Tock ..."

      Bis Collegeprofessor Jack Gramm diesen Telefonanruf bekommt, dauert es ca. 23 Min. Davor bekommt der Zuschauer einen beklemmenden Mord und einen Beinahe-Mord zu sehen, gefolgt von einer kurzen Einspielung der Gerichtsverhandlung, in der der vermeintliche Killer Jon Forster verurteilt wird. Hinzu kommt die Einführung des Charakters Jack Gramm als müden und leicht zerstreuten Collegeprofessor, der ein unglaublich schweres Päckchen zu tragen scheint, aber nach einer "durchzechten" Nacht neben einer wunderschönen jungen Frau aufwacht. Nur wenige Filmminuten später erhält dieser den schon erwähnten folgenschweren Telefonanruf und ab da nimmt der Film fahrt auf.

      Gott seid Dank zeigt sich dem Zuschauer diese "Fahrt" nicht als Nonstop-Action-Stakkato-Gewitter, sondern als spannende "Mörderhatz", in der im Grunde jeder, der Jack näher steht oder ihn auch nur flüchtig zu kennen scheint, ein potenzieller Mörder, Komplize oder Nachahmer sein kann. Die Story spult ihre Geschehnisse sehr geradlinig ab, ohne zu spektakulär zu sein, schafft es aber den Zuschauer dabei richtig gut zu fesseln und auch die eine oder andere falsche Fährte zu legen. Man zittert mit dem coolen Jack mit und hofft, dass er den Killer rechtzeitig stellen kann. Im Laufe der Geschehnisse kommt es dabei schon zu manchen kleineren Logiklöchern, die mich jetzt nicht so arg gestört haben, da hab' ich schon weitaus schlimmeres gesehen.

      Der Film hat zwei dicke Pluspunkte: Der erste ist der schon angedeutete Spannungsbogen, der sich schnell aufbaut und den Zuschauer bis zum Ende fesselt. Ab der 23. Minute läuft der Film in Echtzeit ab, also die Titelgebenden 88 Minuten werden, soweit ich weiß, komplett dargestellt, untermalt von einer zwar auffälligen, aber kaum nervenden Musik, welche das Gesehene gut verstärkt.
      Der zweite ist der unheimlich gute Cast! Allen voran natürlich Al Pacino als Jack Gramm. In manchen Kritiken, die ich gelesen habe, soll er lustlos wirken und eher peinlich agieren. Da kann ich nicht zustimmen. Sein Professor hat etwas schlimmes in der Vergangenheit durchgemacht, er trinkt, liebt Frauen und, ja, er hat einen ständigen Schlafzimmerblick, dieser ist aber eher seiner letzten kurzen Nacht, die er mit ausgelassenem Feiern und gutem Sex verbracht hat, geschuldet. Und das bringt Al, gewohnt sympathisch, rüber. Verglichen mit "Scarface", "Heat" oder der "Pate-Trilogie" natürlich keine ultimative Glanzrolle, aber er meistert diese mehr als souverän. Ihm zur Seite steht die unglaublich süße Alicia Witt, die ihm bei des Rätsels Lösung behilflich sein will. Auch dieser Charakter ist einem gleich sehr sympathisch, obwohl er etwas undurchsichtig ist. Aber ich will jetzt hier nicht unnötig spoilern. Die weiteren Nebenrollen wurden mit reichlich Genre-Stars bestückt, für die alleine sich schon ein Blick in dieses Filmchen lohnt.

      Nebenbei werden noch ein paar Fragen aufgeworfen wie das Verurteilen nach Indizien, vermeintlicher Meineid aus Rache einer anerkannten und gesellschaftlich etablierten Persönlichkeit und leichte Medienkritik (ganz leicht). Schade, denn hätte der Film diese Aspekte noch etwas stärker in die Geschichte eingebunden, wäre er vermutlich noch besser geworden. Den Zuschauer in moralische Konflikte zu verwickeln ist meistens ein gelungener Schachzug, der vor allem im Thriller-Genre so manchem Film seinen heutigen "Klassiker-Status" eingebracht hat.
      Somit will der Film in erster Linie nicht den moralischen Finger erheben, sondern einfach nur unterhalten, was ihm sehr gut gelingt. Der Anspruch und das Potenzial hätte aber eindeutig zu mehr gerreicht. Über die Auflösung werde ich an dieser Stelle natürlich kein Wort verlieren, soll doch jeder selbst entscheiden, ob er das Ende so akzeptiert oder lieber anders gesehen hätte.

      Dennoch, man bekommt zwar kein Thriller-Meisterwerk geboten, aber unheimlich spannende Unterhaltung mit gut aufgelegten Darstellern für einen netten DVD-Abend alleine, zu zweit oder mit Freunden.

      [film]7[/film]
      Hurley: "Hat der Vogel gerade meinen Namen gerufen?"
      Sawyer: "Ja hat er...Und gleich danach hat er Goldklümpchen gekackt."