Luzifer (2022)

    • Luzifer (2022)




      Produktionsland: Österreich
      Produktion: Georg Aschauer, Ulrich Seidl
      Erscheinungsjahr: 2022
      Regie: Peter Brunner
      Drehbuch: Peter Brunner
      Kamera: Peter Flinckenberg
      Schnitt: Peter Brunner, Sebastian Longariva
      Spezialeffekte:
      Budget: ca. -
      Musik: Tim Hecker
      Länge: ca. 103
      Freigabe: FSK 16
      Darsteller: Franz Rogowski, Susanne Jensen, Monika Hinterhuber, Theo Blaickner

      Inhalt:
      Sie verehren die Marienikone im verkrüppelten Baum und kasteien sich mit Steigeisen: Die geläuterte Alkoholikerin Maria hat ihren geistig beeinträchtigten Sohn Johannes im radikalen Glauben diszipliniert und ihm ihr wahnhaftes Bild von Gott, Jesus und Satan eingepflanzt. Nun sieht sie ihr zurückgezogenes Leben auf der Alm von bösen Mächten bedroht. Die mysteriöse Höhle, die Johannes teuflisch anzieht, versetzt sie ebenso in Raserei wie die Investoren, die ein Skiparadies bauen wollen. Mit lauten Drohnen und kreisenden Kettensägen dringen diese immer tiefer in das Refugium des bizarren Mutter-Sohn-Gespanns ein – und das bald mit roher Gewalt.

      Trailer:


      Kritik:

      Mit "Luzifer" liefert uns Peter Brunner eine atmosphärisch dichte, bedrückende Mischung aus Thriller und Drama in den Bergen Tirols.
      Er erzählt uns dabei die Geschichte der fanatisch religiösen Maria und ihres geistig behinderten Sohnes Johannes in der Autarkie sowie der bewusst gewählten Einsamkeit.
      Von intoleranter Leistungsgesellschaft und Kapitalismus größtenteils abgeschnitten, wird ihr Leben bestimmt von Gebeten, Huldigung und dem Überleben durch Selbstversorgung.
      Wundervolle Landschaftsbilder, viel Stille und der strikt durchgetaktete Alltag schaffen hierbei eine idyllische wie auch bedrückende Stimmung.
      Denn der Teufel lauert überall und Maria tut alles daran sich und ihren Sohn davor zu schützen. Zur Not auch mit Bestrafung.
      Doch allen Mühen zum Trotz lässt der bedrohlich dröhnende, sehr gelungene Soundtrack schon erahnen: Das Gefühl von Frieden täuscht.
      Denn das Böse findet seinen Weg zu ihnen und bedroht bald das geschaffene Paradies, welches plötzlich wie ein Kartenhaus erscheint.
      Der Glauben und die Stärke der beiden werden auf eine harte Probe gestellt, Stück für Stück bröckelt die Fassade bis es unweigerlich zur Katastrophe kommt.

      Susanne Jensen, im wahren Leben Pfarrerin (!), zeigt uns in ihrer Debütrolle als Maria sehr authentisch wie ein durch religiösen Fanatismus bestimmtes Leben aussehen kann.
      Für quasi atheistische Menschen wie mich, aber sicherlich auch den ein oder anderen Gläubigen, zerrt es mitunter sehr an den Nerven, wie trist und extrem zugleich sie mit ihrem Sohn die Tage bestreitet.
      Nach und nach erfahren wir hierbei einiges über die Hintergründe der ganzen Situation sowie zukünftiger Pläne und Wünsche.
      Mutter & Sohn pflegen ein sehr inniges Verhältnis, doch die eigentlich gut gemeinte Bemutterung von Johannes (überzeugend dargestellt von Franz Rogowski) zeugt fast schon von Missbrauch und Tyrannei.
      So gelten strenge Regeln und die Nichtbeachtung dieser muss eben geahndet werden. Das wirkt mitunter absurd und schmerzt beim Zusehen.
      Als eine externe Bedrohung dazu kommt und immer größer wird, hilft aber auch der feste Glaube nicht mehr weiter.
      Langsam aber sicher macht sich der teuflische Kapitalismus in Form eines geplanten Skigebiets breit und zerstört das mühevoll aufgebaute Leben auf der Alm. Profitgier duldet eben keinen Widerstand.

      Atemberaubende Landschaftsbilder wechseln sich hierbei ab mit täglichen Gebeten, Projekten und der nahenden Bedrohung. Zunächst besteht diese aus einem Angebot sowie Überwachung, doch dann folgt der erste Anschlag...
      Ich möchte nicht zu viel verraten, aber der Terror den wir zu sehen bekommen, geht schon unter die Haut und ist erschreckend real. Denn so oder so ähnlich könnte sich eine Geschichte tatsächlich zugetragen haben.
      Dieser Film beeindruckt nicht mit Text & Dialogen, er tut es hauptsächlich mit dem was wir sehen. Und lässt uns am Ende mit einem mulmigen Gefühl auf der einen und einem guten auf der anderen zurück. Nämlich, dass es endlich vorbei ist.
      Ich erwähnte es eingangs bereits: "Luzifer" ist ein Film zwischen Thriller, Drama, allerdings irgendwo auch Horror. Alle drei Genres finden sich hier auf die eine oder andere Weise...
      Zum Schluss dachte ich mir nur "Wow, harter Tobak. Sehr anstrengend, bedrückend, vielleicht auf eine bestimmte Art beeindruckend. Diesen Film möchte ich erst mal nicht wieder sehen."

      [film]8[/film]
      ^(^.^)^

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Mbwun ()

    • Oha, das, äh... das könnte SEHR interessant sein. Den werd ich mir definitiv geben. Danke für den Tipp, sonst wär das wieder 5 Jahre an mir vorbeigegangen. Ich weiß ja noch nicht, wie er letztlich ist, aber ich mag es sehr, wenn dieses Thema etwas ruhiger, dafür düsterer angegangen wird. Gerade den Charme des Europäisch-Folkloristischen stell ich mir da sehr reizvoll vor :275:
    • Gern geschehen, das freut mich. :251:
      Ich schreibe noch eine Kritik dazu, aber kann schon einmal verraten: Mir hat er sehr gut gefallen! :-)
      ^(^.^)^
    • Machste. Bin gespannt zu lesen und wir werden ihn uns Anfang Mai im Kino geben, das ist bereits beschlossene Sache.
    • Lebst du etwa den Traum einen Partner mit der gleichen Vorliebe zu haben?
      ^(^.^)^
    • Ich bin der Partner. lolp

      Bin jedenfalls auch mal gespannt auf den Streifen.
    • MNCDX schrieb:

      Ich bin der Partner. lolp

      Bin jedenfalls auch mal gespannt auf den Streifen.
      Nein, echt jetzt? Voll kuhl einfach!! Hab ich so noch nicht erlebt, dass beide im gleichen Forum sind. :251:
      ^(^.^)^
    • Nicht? Wird doch wohl nicht sooo selten vorkommen. Grundsätzlich sind wir aber sowieso ambitioniert, überall und immer zusammen am Start zu sein.
    • Es kommt tatsächlich nicht so selten vor.
      Habe vor Jahren auf einer anderen Filmseite, meine Ex kennengelernt, mit der ich seit 3 Jahren ein Kind habe.
      Die Redaktion der Filmseite hat sich leider zu einem Nazi Regime entwickelt.
      Kennt ihr so News ala "Einer der besten Horrorfilme aller Zeiten...."?
      Und die Seite spuckt da täglich solche News aus.
      Nach der 500. News Meldung "Einer der besten Horrorfilme aller Zeiten zum ersten Mal ungeschnitten im TV", habe ich in einem Kommmentar nachgefragt, wie viele beste Horrorfilme da noch kommen werden, und zack gab es eine Verwarnung.
      Die Redaktion hatte dann geschrieben, dass sie sich bei Kritik vorbehält, User für eine Woche zu sperren.
      Also...wehe, man kritisiert die Filmseite, egal ob lustig, zynisch oder rein des Interesse halber, und zack biste weg.
      Mich interessiert dennoch brennend, wie viele beste Horrorfilme es eigentlich gibt?
      Schade, dass mir die Seite dies nicht beantworten kann/konnte.
      Vielleicht sind es ja 1.000 beste Horrorfilme aller Zeiten.