Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

    • Ich kann den Film nur bedingt objektiv bewerten, da ich zuerst das Buch gelesen habe. Das Buch ist in meinen Augen ein Schlag in die Fresse. Da wird komplett realistisch eine Drogenkarriere erzählt. Keine romantisierung, keine Verschleierung des Leids, das Drogen auslöst, kein Happy End. Einfach nur die nackte harte Wahrheit. Das Buch ist somit imho wichtig, mutig und schlichtweg genial.

      In meinen Augen bringt der Film diese gnadenlose Härte, diese Intensität nicht ganz rüber. Sicherlich wirkt er, wenn man das Buch kennt schon so, ist aber im Gegensatz zur Vorlage Weichgespült. Dennoch ist er ein Vorzeigefilm in diesem Bereich und sicherlich sehr sehr gut. Es gibt leider nicht allzuviel Filme, die sich mit dem Thema Drogen so realistisch auseinandersetzen ohne den Zeigefinger zu erheben.

      Wer das Buch noch nicht kennt, der sollte zugreifen. Wer es schon gelesen hat wird vermutlich enttäuscht sein, auch wenn man den Film objektiv sicherlich höher als 7 bewerten sollte. Das Buch bekommt von mir auf jeden Fall ne glatte 10!
      Wir sind der singende tanzende Abschaum der Welt!
    • Habe ihn damals auf der Schule mit meiner Klasse gesehen. Wir Kinder vom Bahnhof Zoo ist ein wirklich düsteres Drama das unter die Haut geht und depressive Stimmung auslöst. Der Film wirkt dreckig und ist wirklich realitätsnah inszeniert worden. Ein wirklich packendes Drama über ein Mädchen das in den Drogen sumpf abgleitet und die ganze Wahrheit über die damalige Heroin Szene in Berlin zeigt. Ein Film den man sich mal angesehen haben sollte.

      [film]8[/film]
    • Produktionsland: Deutschland
      Produktion: Bernd Eichinger, Bertram Vetter, Hans Weth
      Erscheinungsjahr: 1981
      Regie: Uli Edel
      Drehbuch: Uli Edel, Herman Weigel / Kai Hermann & Horst Rieck (Buch)
      Kamera: Jürgen Jürges, Justus Pankau
      Schnitt: Jane Seitz
      Budget: ca. 4.000.000 DM
      Musik: Jürgen Knieper
      Länge: ca. 125 min.
      Freigabe: FSK 16
      Darsteller: Natja Brunckhorst, Thomas Haustein, Jens Kuphal, Rainer Woelk, Jan Georg Effler, Christiane Reichelt, Daniela Jaeger, Kerstin Richter, David Bowie, Eberhard Auriga, Peggy Bussiek, Lothar Chamski





      Christiane Felscherinow lebt zusammen mit ihrer geschiedenen Mutter. Da Christiane viele Freiheiten genießt treibt sie sich oft im Berliner Nachtleben herum. Dort lernt sie Detlef – einen Fixer – kennen. Nach dem ersten Konsum von Tabletten gerät das 14jährige Mädchen immer tiefer in den Drogensumpf, aus dem es scheinbar keinen Ausweg mehr gibt.

      Ganz interessant dass Roland Klick ursprünglich für die Regie von CHRISTIANE F – WIR KINDER VOM BAHNHOF ZOO vorgesehen war. Dieser geriet allerdings mit dem Produzenten Bernd Eichinger derart aneinander dass die Regie an Uli Edel übergeben wurde. Edel zeichnete sich zu diesem Zeitpunkt u.a. für die künstlerische Leitung innerhalb des TV-Films DAS DING verantwortlich.

      CHRISTIANE F – WIR KINDER VOM BAHNHOF ZOO ist die erschreckende Geschichte der Christiane Felscherinow. Als Buch, sowie als Film, kommerziell erfolgreich. Die Firmierung zu deuten ist einfach, allerdings wirft sie auch Fragen auf. Könnte man nicht eher von den „Kindern von Berlin“ oder viel eher von den „Kindern der inneren Leere“ reden? Der Interpretation sind keine Grenzen gesetzt.

      Der Monolog zum Filmstart berichtet über das triste Leben in einem Stadtteil von Berlin. Stets hinweisend auf Frust und innere Leere. Der Weg heraus aus dem täglichen Allerlei findet sich in einer Discotheke wieder. Dort begegnen Christiane und dem Rezipienten bereits die ersten Hauptcharaktere wie Leiche, Atze und Detlef. Untermalt von Bowies brillantem „Look back in Anger“ tritt Christiane in eine - ihr noch fremde und zugleich faszinierende -Welt ein. Eine Welt außerhalb der täglichen Monotonie.

      „Das ist Axel. Ich bin Detlef.“

      Edel zeigt ein düsteres und depressives Bild der Berliner Fixerszene. Spärliche Räumlichkeiten, ein öffentliches Klo als Treffpunkt und Behausung zur Drogenaufnahme. Schockierende Bilder die den Anfang vom Ende begleiten. Das Ambiente der frühen 80er und deren Kinder wird auf eine besorgniserregende, teils schockierend Weise vermittelt. Dazu läuft David Bowies brillanter und verstörender Instrumentalsong „Sense Of Doubt“. Bilder in Zeitlupe und ohne Dialog fressen sich in die aufnahmebereiten Sinnesorgane des Rezipienten und hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Ich kann dieses jederzeit bestätigen da ich die Bilder aus WIR KINDER VOM BAHNHOF ZOO seit meiner Erstsichtung im Bochumer Union Theater nicht vergessen habe.

      Die Beweggründe zum Rauschgiftkonsum werden eher oberflächlich behandelt. Die berufstätige, alleinerziehende Mutter hat halt wenig- und ihre Tochter zu viel Zeit. Alle anderen Fixer die um Christiane herum „leben“ stecken bis zum Hals im Drogenmorast.

      „Guck sie dir alle an! Je cooler sie sind, desto mehr haben sie gedrückt.“

      Trotz des depressiven und schmuddeligen Looks besteht bei WIR KINDER VOM BAHNHOF ZOO immer die Gefahr einen Eindruck der (wie Friedrich Koch es umschreibt) Stimulation erzeugen und die Hauptfiguren fast einer Heroisierung unterziehen kann. Nicht zuletzt Bowies brillanter Score kann solch (nicht beabsichtige) Wirkung erzeugen.

      Der überwiegende Teil der Darsteller/innen sind Laiendarsteller die nach CHRISTIANE F in keinem Film mehr mitwirkten. Umso erstaunlicher ist die doch sehr realistische Präsenz von Andreas Fuhrmann (Atze), Rainer Woelk (Leiche), Thomas Haustein (Detlef) und Eberhard Auriga der mir als alter Fixer und Drogendieb einen Schock fürs Leben versetzte. Nadja Brunckhorst bekam nach ihren großen Erfolg als Christiane F einige Angebote, wirkte aber in eher unbekannten Produktionen mit und konnte niemals an ihren großen Erfolg anknüpfen. Kerstin Richter versuchte sich nach CHRISTIANE F als (Nackt)Fotomodel.

      Fazit: Ein beängstigender Film der mit seinen düsteren Bildern bis heute seine Faszination erhalten konnte.
    • Meinst du der Film (in dem Alter) kann da noch was reissen?

      In Zeiten wo sowieso die Jugend zu faul zum Lesen ist, sollte lieber das Buch auf dem Lehrplan stehen.

      Ich hatte auch zuerst das Buch gelesen und fand den Film eher solala.

      In der Berufsschule wollte mal ein Lehrer, dass wir den Film schauen hat sich dann aber irgendwie vertan und wir mussten uns "die Schulmädchen vom Treffpunkt Zoo" anschauen. echt bärig der Film :D