Nur Vampire küssen blutig

    • Lust for a Vampire (Nur Vampire küssen blutig, 1970/1971)



      Regie: Jimmy Sangster

      Produktion: Hammer Film Productions, GB, Drehzeit: 06.07.1970 - 18.08.1970

      Mit: Michael Johnson, Yutte Stensgaard, Ralph Bates, Suzannah Leigh, Barbara Jefford, Mike Raven, Helen Christie, Harvey Hall, Pippa Steele, Judy Matheson, Kirsten Lindholm, Luan Peters

      Handlung:

      Der Grusel-Autor Richard Lestrange kommt in ein österreichisches Dorf, in dem sich die Bewohner panisch vor einer gewissen Familie Karnstein fürchten. Diese hat ihren Wohnsitz von alters her auf einem Schloss, wo es alle 40 Jahre zu grausamen Ereignissen kommt, da es sich bei der Familie um wiederkehrende Untote handelt. Nun ist die besagte Zeitspanne wieder abgelaufen und es werden reihenweise junge Frauen von einem Vampir getötet. Als Lestrange sich in den unheimlichen Gemäuern umsieht, lernt er die ansehnlichen Schülerinnen und die Belegschaft eines Mädchenpensionats kennen, das sich direkt daneben befindet. Er springt dort als Lehrer ein und verliebt sich in die bildschöne Mircalla, die in Wirklichkeit die wiedererweckte Vampirin Carmilla ist und hinter der Mordserie steckt...

      Anmerkungen:

      In den 70er-Jahren befand Hammer sich auf dem absteigenden Ast. Übersättigung hat sich eingestellt und die Qualität der Filme ließ nach, was aber diesem Streifen glücklicherweise noch nicht anzusehen ist. Es gibt zwar zweifellos bessere Vampirfilme , doch ist die Geschichte durchaus spannend und unterhaltsam erzählt und an gewissen Stellen auch wirklich atmosphärisch. Der Film kann mit den Beiträgen aus den 60er-Jahren noch durchaus mithalten, ohne als gähnender Abklatsch zu wirken. Auffallend gegenüber früheren Werken ist, dass mit nackter Haut deutlich freizügiger umgegangen wird, auch wenn die Umsetzung der Sex-Elemente aus heutiger Sicht noch eher verschämt und schüchtern erscheint. Die Geschichte ist recht gemächlich und ohne übermäßige Effekte erzählt, aber nie langweilig.

      Es handelt sich um den zweiten Film der Karnstein-Trilogie, welche mit "The Vampire Lovers" 1970 ihren Anfang nahm. Im Mittelpunkt steht die Vampirin Mircalla, welche nach dem Blut junger Mädchen dürstet, wodurch auch lesbische Tendenzen angedeutet werden. In der Hauptrolle ist die puppenhaft schöne, aber sehr steif wirkende, Yutte Stensgaard (geb.1946) zu bewundern, deren Filmkariere nie richtig in's Rollen kam. Michael Johnson (1939-2001) ist als Leading-Man zwar recht gutaussehend und auch einigermaßen charismatisch, allerdings bricht seine Figur dann im Liebesrausch irgendwie ein. Die ganz und gar nicht romantisch angelegten Helden früherer Filme, wie Peter Cushing, Andrew Keir oder Rupert Davies waren wesentlich ausdrucksstärker und nachhaltiger. Trotzdem wird der Film von der relativ frisch und unabgegriffen wirkenden Handlung ganz gut getragen.

      Lestrange schafft es, Mircalla zu verführen ohne gebissen zu werden und in ihr echte Gefühle zu wecken, was diese aber nicht vor ihrem tragischen Ende retten kann. Hammers 1957/1958 erstmals aus Vampir-Mündern glänzenden und zur Legende gewordenen Fangzähne werden hier nur in relativ wenigen Szenen gefletscht. Die Abwandlung auf einen weiblichen Dracula gibt dem auch damals schon ziemlich angestaubten Genre eine angenehme neue Richtung. Die Farbgebung ist sehr ansprechend, die Titelmelodie allerdings ziemlich fad.

      Der wütende Mob, welcher am Schluss das Vampir-Schloss stürmt, ist bereits seit Universal-Zeiten ein in klassischen Gruselfilmen immer wieder gern eingesetztes Finale, welches auch hier recht wirkungsvoll umgesetzt wurde. Eigentlich war Peter Cushing anstelle des uncharismatischen Ralph Bates für den Film vorgesehen, musste aber wegen der schweren Erkrankung seiner Frau, die leider auch zu deren Tod führte, absagen. Da Terence Fisher ebenfalle erkrankte, musste er als Regisseur durch Jimmy Sangster ersetzt werden. Sehr schade, da das Gespann Fisher/Cushing mit Sicherheit noch wesentlich mehr aus dem Film herausgeholt hätte.

      Fazit:

      Recht gemütlich erzählter, aber sehr unterhaltsamer kleiner Vampirfilm , dem die 70er-Jahre noch nicht so sehr anzusehen sind - von den nackten Brüsten einmal abgesehen.

      [film]7[/film]