Die Neunschwänzige Katze

    • Bei dieser zweiten Regiearbeit von Dario Argento handelt es sich um den Mittelteil der sogenannten "Tier-Trilogie", der meiner Meinung nach von vielen Fans immer ein wenig unterschätzt wird. Sicherlich handelt es sich nicht um einen der besten Giallos aller Zeiten, jedoch wird dem Zuschauer eine sehr spannende-und interessante Geschichte präsentiert, deren Auflösung am Ende zwar etwas banal ausfallen mag, doch diesen Aspekt ist man bei einigen Werken des italienischen Regisseurs des Öfteren gewohnt, so das man ihm keine größere Bedeutung zumessen sollte. Vielmehr sollte man sich an einem äusserst atmosphärisch gestalteten Szenario erfreuen, das insbesondere durch sein kräftiges Farbenspiel an Werke von Mario Bava erinnert, dessen Einfluss auf Argento unübersehbar ist. Desweiteren überzeugt dieses Werk durch einen sehr gelungenen Spannungsaufbau, wobei es trotz einer Laufzeit von fast 2 Stunden keinerlei langatmige Passagen erkennen lässt. Eher das Gegenteil ist der Fall, denn mit zunehmender Laufzeit wird die Spannungsschraube kontinuirlich immer fester angezogen, was dem Zuschauer einen wirklich erstklassigen Filmgenuss beschert.

      Das liegt in erster Linie daran, das Argento dem Zuschauer immer wieder kleinere Puzzle-Teilchen präsentiert, die mit der Zeit ein immer klarer erscheinendes Gesamtbild erkennen lassen. So kann man sich nach einer gewissen Zeit sicherlich schon seinen Reim auf die eventuellen Motive des Killers machen, dessen Identität allerdings erst gut 5 Minuten vor dem Ende preisgegeben wird. Bis dahin jedoch wird man mit etlichen falschen Fährten immer wieder in die Irre geführt, so das man seine eigenen Vermutungen zumeist immer wieder verwerfen muss. Natürlich kann es auch durchaus passieren, das man schon frühzeitig auf die Identität des Killers stößt, denn wenn man sich erst einmal über die Motive im Klaren ist, gibt es nur noch einen sehr eingeschränkten Kreis von Verdächtigen, wobei allerdings keinerlei offensichtliche Andeutungen auf eine bestimmte Person zu erkennen sind. Als weiterer Spannungsfaktor sind die eigenen Ermittlungen der beiden Haupt-Charaktere Arno (Karl Malden) und Giordani (James Franciscus) anzusehen, denn während der Geschehnisse sind die beiden mehrere Male kurz davor, die Identität des Killers aufzudecken, um im letzten Moment immer wieder festzustellen, das der Mörder ihnen um eine Nasenlänge vorraus ist. Dabei geraten die beiden Hobby-Detektive nicht selten selbst in eine mehr als brenzlige Lage, aus der sie sich aber immer wieder durch Glück und Geschick befreien können.

      Auch wenn das recht simpel gestaltete Ende ganz sicher für viele Leute die Schwäche des Filmes darstellt, so ist es aber auf jeden Fall recht logisch und nachvollziehbar. Ausserdem sollte man erwähnen, das Argento das Hauptaugenmerk ganz eindeutig auf die Motivlage des Killers gelegt, während die Identität viel eher nebensächlich erscheint. Denn gerade im ersten Drittel der Geschichte steht man als Zuschauer do so ziemlich im Dunkel, kann man sich doch zuerst überhaupt keinen Reim auf die Ereignisse machen. Erst durch die Einführung immer weiterer kleiner Fragmente ergibt sich mit der Zeit eine gewisse Übersicht über die Gesamtzusammenhänge. Meiner persönlichen Meinung nach ist das die besondere Stärke des Werkes, denn rückwirkend betrachtet erscheint die Story sogar richtig gut durchdacht und logisch nachvollziehbar. Eine weitere Stärke ist das gute Schauspiel der einzelnen Darsteller, wobei Malden und Franciscus besonders hervorstechen, denn das ungleiche Ermittler-Duo ist als Highlight des Filmes anzusehen und hinterlässt zudem einen extrem symphatischen Eindruck beim Betrachter.

      Alles zusammengenommen gibt es eigentlich recht wenig, was man an "Die neunschwänzige Katze" wirklich bemängeln könnte, was selbstverständlich immer an der Sichtweise des jeweiligen Zuschauers liegt. Jedenfalls beinhaltet der Plot alles, was einen guten und sehenswerten Giallo auszeichnet, denn neben einer interessanten Story entfaltet sich ein immer weiter ansteigender Spannungsbogen, der trotz einer Laufzeit von fast 2 Stunden keinerlei einbrüche erkennen lässt. In atmosphärischer Hinsicht gibt es überhaupt nichts zu bemängeln und in diversen Passagen des Szenarios sind sogar richtig bedrohliche Züge zu erkennen, die das von haus aus schon sehr gute Filmvergnügen noch einmal zusätzlich aufwerten. Gut agierende Schauspieler, erstklassige Kamerafahrten und ein herrlich kräftiges Spiel mit den Farben runden die ganze Sache nahezu perfekt ab und lassen einen letztendlich zu einem äusserst guten Gesamteindruck gelangen, den dieses Frühwerk hinterlässt. Eventuell hätte man den gewählten Schluß etwas spektakulärer und ausführlicher gestalten können, jedoch besteht für mich in dieser Beziehung kein wirklicher Kritikpunkt.


      Fazit:


      Ganz sicher ist "Il Gatto a nove code" nicht der beste Film der italienischen Regie-Legende, jedoch ist schon in dieser zweiten Regiearbeit das immense Potential Argentos zu erkennen, das dann in späteren Filmen wie "Suspiria", "Phenomena" oder auch "Deep Red" so richtig zur Entfaltung kam und den Fans noch einige weitere großartige Werke bescherte, die auch in der heutigen Zeit nichts von ihrer Klasse verloren haben. Dennoch ist auch dieser Film zu den Klassikern des Giallos zu zählen und bietet immer wieder sehr spannende und kurzweilige Unterhaltung, bei der man sich nur zu gern am stattfindenden Rätselspiel beteiligt.


      8,5/10
      Big Brother is watching you
    • Die neuschwänzige Katze hat doch lange eine FSK 16 bekommen? Warum wird dieser Film immer noch überteuert auf Filmbörsen verkauft? Der könnte ruhig im Nachmittagprogramm der ÖR oder Privaten laufen. Mir reicht die VZ-DVD, die ich für 10 Euro gekriegt habe.
      Ich verfolge Euch! Egal, wann oder wo ... Ich werde Euch kriegen!
    • Die neunschwänzige Katze (1970)

      Regie: Dario Argento

      Produktion: BRD,Italien, Deutschland, 1970

      Mit: Karl Malden, James Franciscus, Catherine Spaak, Tino Carraro, Pier Paolo Capponi, Horst Frank, Rada Rassimov, Aldo Reggiani, Carlo Alighiero, Cinzia De Carolis, Tom Felleghy, Werner Pochath, Emilio Marchesini, Corrado Olmi





      Handlung:

      Der erblindete Ex-Reporter Arno macht mit seiner kleinen Nichte einen abendlichen Spaziergang in der Nähe eines medizinischen Instituts. Dabei wird er zufällig Ohrenzeuge eines verdächtigen Gesprächs, bei dem es offenbar um Erpressung geht. Kurz darauf wird im Institut eingebrochen und dabei ein Wachmann niedergeschlagen. Darauf folgt eine grausame Mordserie an Personen, die mit der Forschungseinrichtung in direktem oder indirektem Zusammenhang stehen. Es geht dabei um die Entdeckung eines rätselhaften Killergens. Arno verbündet sich mit dem jungen Reporter Carlo Giordani, um der Sache auf den Grund zu gehen, was alle Beteiligten in große Gefahr bringen sollte...

      Anmerkungen:

      Der vorliegende Film hat einen sehr interessanten Einstieg und ist von Ennio Morricones Musik durchaus gelungen untermalt. Leider wird im Endeffekt zu viel heiße Luft versprüht, da nach den erfreulichen Ansätzen die Dramaturgie immer wieder in's Stocken gerät und eine gewisse Langatmigkeit sich breit macht. Dario Argento versteht es hier einfach nicht, konsequent einen straffen Spannungsbogen mit sich angemessen entladenden Höhepunkten zu präsentieren. Dadurch gerät die Geschichte nie so wirklich in Fahrt und auch die Aufdeckung des Täters ist keine große Sache. Die romantische Annäherung zwischen Carlo Giordani und Anna Terzi wirkt darüber hinaus plump und konstruiert, obwohl die rein darstellerischen Leistungen, vor allem von Karl Malden (1912-2009) und James Franciscus (1934-1991), ansonsten recht ordentlich sind.

      Der erste Mord, bei dem das Opfer vom Zug zerstückelt wird, ist durchaus effektvoll und durch die kurze Einblendung dennoch unblutig inszeniert. Auf Glaubwürdigkeit wird dabei allerdings nicht der geringste Wert gelegt, wenn man bedenkt, dass auf einer belebten Bahnhofsplattform offenbar niemandem auffällt, wie ein Mann Richtung Gleise gestoßen wird, nachdem er seinem Mörder auch noch die Hand zur Begrüßung reicht.

      Als sich ganz zu Beginn zwei Männer in einem Auto unterhalten, ist nur allzu deutlich erkennbar, dass nur einer drinnen sitzt. Morde und Todeskämpfe sind ziemlich realistisch inszeniert. Auch das immer wieder eingeblendete Auge des Täters zeigt eine gewisse Originalität. Dennoch bietet dies kein wirklich ausgleichendes Gegengewicht zu den dramaturgischen Schwächen des Films. Beim Handlungsabschnitt mit der Entführung von Arnos sehr liebenswerten und sympathischen Nichte hätte die Chance bestanden, deutlich mehr Suspense herauszuholen. Dieser Teil ist leider viel zu oberflächlich und reizlos inzeniert. Außerdem lässt der so gefährliche und brutale Täter sich dann auch noch wie ein Schuljunge stellen, was in keinster Weise stimmig wirkt.

      Es handelt sich um einen Streifen, der schlecht gealtert ist, da ihm Charme und Charakteristika typischer "Old-School-Thriller", wie der "echten" "Edgar- und Bryan-Edgar-Wallace-Filme" schlicht und einfach fehlen. Allerdings wollte man ja auch gar nicht daran anlehnen, sondern einfach nur mit dem berühmten Namen punkten, weshalb diese Filme als Wallace-Krimis ohnehin nicht ernst zu nehmen sind. Nachdem die Zeit natürlich nicht stehen geblieben ist, haben sich die modernen Psychothriller, an denen sich der Film, wie auch schon "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe", offenbar orientiert, in eine Richtung weiter entwickelt, welche dieses Werk im wahrsten Sinne des Wortes alt und unausgereift aussehen lassen.


      Fazit:

      Argento-Thriller, der auf den allerersten Blick vielversprechen wirkt, dann aber immer wieder stecken bleibt und dadurch einfach zu wenig in Schwung kommt. 5 von 10.

      [film]5[/film]
    • So richtig gegenliken will ich auch nicht, eine gewisse Langatmigkeit trifft eigentlich auf viele Giallos zu, auch Krimis noch um so mehr, deswegen sind sie nicht so mein Ding. Argento ist aber immer noch unterhaltsam.